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Refluxkrankheit (GERD), Zwerchfellbruch und Achalasie

Einleitung – Was ist Refluxkrankheit?

Refluxkrankheit (Gastroösophageale Refluxkrankheit, GERD) bedeutet, dass Magensäure wieder in die Speiseröhre hochfließt. Dies passiert meist, weil der Schließmuskel am Mageneingang (unterer Ösophagussphinkter) die Magenöffnung nicht dichthält. Häufig begünstigt ein Zwerchfellbruch (Hiatushernie) das Auftreten von Reflux. Etwa jeder fünfte Erwachsene in Industrieländern leidet gelegentlich unter Sodbrennen; man spricht von einer krankhaften Refluxerkrankung, wenn die Beschwerden häufig sind und die Lebensqualität einschränken. 

Neben dem bekannten Sodbrennen kann sich eine Refluxkrankheit auch als “stiller Reflux” äußern, wenn die Säure bis in Rachen und Atemwege gelangt – dann leiden Betroffene eher unter chronischem Husten, Asthma oder Heiserkeit. Langfristig können chronischer Reflux die Speiseröhre schädigen und zum Barrett-Ösophagus mit Krebsrisiko führen.

Symptome der Refluxkrankheit

  • Sodbrennen und saures Aufstoßen (klassisch).
  • Schluckbeschwerden (Dysphagie) oder Schmerzen hinter dem Brustbein.
  • Atypische Beschwerden („stiller Reflux“): trockener Reizhusten, Kehlkopfentzündung oder Asthmaanfälle.


Komplikationen

Langjähriger Reflux kann zu Schleimhautentzündungen führen (z.B. Barrett-Ösophagus) und Zahnschäden verursachen.

Zwerchfellbruch (Hiatushernie)

Beim Zwerchfellbruch rutscht ein Teil des Magens durch das Zwerchfell in den Brustraum. Die häufigste Form ist die sogenannte Gleithernie, bei der ein Magenabschnitt oberhalb des Zwerchfells hin- und hergleitet. Diese inneren Brüche sind außen nicht sichtbar. Kleine Gleithernien verursachen oft kaum Symptome und können (wenn nur leichtes Sodbrennen besteht) meist konservativ mit säurereduzierender Medikation behandelt werden. Durch den veränderten Hiatus erhöht sich aber das Risiko für Reflux (der Magensaft passiert leichter den schwachen Verschluss).

Typische Symptome eines Hiatusbruchs können sein: häufiges Sodbrennen, Druck oder krampfartige Schmerzen hinter dem Brustbein oder im Oberbauch, chronischer Husten und – bei großen Hernien – Schluckstörungen. Selten tritt ein lebensgefährlicher Notfall auf (Einklemmung des Magens). 

Daher wird heute empfohlen: Nicht-gleitende Hernien, sogenannte paraösophageale Hernien und auch große Gleithernien werden operativ versorgt, um Komplikationen vorzubeugen. 

In einer solchen Operation (laparoskopisch) werden Magen und Ösophagus wieder in den Bauchraum verlegt, die Zwerchfelllücke eingenäht (Hiatoplastik) und meist eine Fundoplikatio angeschlossen. Dabei wird der obere Magenteil als Manschette um den Speiseröhrenboden geschlungen (Toupet-Fundoplikatio). Dies stellt den Verschlussmechanismus zwischen Speiseröhre und Magen langfristig wieder her. Eine korrekt durchgeführte Fundoplikatio heilt die Refluxkrankheit oft endgültig, so dass Säureblocker danach nicht mehr nötig sind.

Diagnostik

Zur Diagnose werden in der Regel eine Magenspiegelung (Ösophagogastroskopie) und – falls nötig – eine pH-Metrie (24‑Stunden-Messung des Säuregehalts in der Speiseröhre) sowie eine Ösophagus-Manometrie (Druckmessung) eingesetzt. Diese Verfahren zeigen Entzündungen, Engstellen und Funktionsstörungen auf. Vor einer Operation wird stets gründlich geprüft, ob bereits Barrett-Schleimhaut vorliegt oder eine große Hernie den Reflux begünstigt. Eine klare Darstellung der Befunde erlaubt eine individuelle Therapieplanung.

Bei Reflux Beschwerden: Nehmen Sie Kontakt mit uns auf!

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DRK Kliniken Berlin Köpenick
Tel.: (030) 3035 - 3317

Mögliche Untersuchungen zur Abklärung

Magenspiegelung (Ösophago-Gastro-Duodenoskopie, ÖGD): 

Speiseröhre, Magen und Zwöffingerdarm werden mit einer Kamera betrachtet. Wenn sich Auffälligkeiten ergeben, können Proben entnommen werden. Auch die Beurteilung des unteren Speiseröhrenschließmuskels ist möglich um eine Zwerchfellhernie (Hiatushernie) zu erkennen.

Manometrie:

Störungen des Nahrungstransportes in der Speiseröhre können mit dieser Untersuchung identifiziert werden (z. B. Achalasie). Für diese Untersuchung wird ein dünner Schlauch über die Nase bis in den Magen eingeführt, um im langsamen Rückzug Druckkurven abzuleiten, die Aussagen über die Motilität der Speiseröhre erlauben. 

24-Stunden-Impedanz-pH-Metrie:

Die Messung der Säurekonzentration in der Speiseröhre kommt in bestimmten Situationen bei der Abklärung einer gastroösophagealen Refluxerkrankung oder anderer mit einem Reflux verbundener Beschwerden zum Einsatz. Ein dünner Schlauch wird in die Speiseröhre eingeführt, ist über den Naseneingang mit einem tragbaren Aufzeichnungsgerät verbunden und verbleibt für 24 Stunden am Patienten. Mit dieser Untersuchung wird die Säurekonzentration in der Speiseröhre ermittelt und kann mit den Beschwerden korreliert werden. 

Röntgen-Breischluck:

Der Röntgen Breischluck dient zur Darstellung der Funktion und Anatomie der Speiseröhre. Ein röntgendichtes Kontrastmittel wird zu sich genommen und der Schluckaktes wird durch Röntgenaufnahme mit Durchleuchtung dargestellt. 

CT oder MRT:

Bei sehr großen Zwerchfellhernien oder der Maximalform, dem sogenannten Thoraxmagen, kann vor einer Operation eine CT oder MRT zur Operationsplanung notwendig sein.

Therapieoptionen bei Refluxkrankheit

Konservative Therapie

  • Lebensstiländerungen: Oberkörper abends hochlagern, mehrfach kleinere Mahlzeiten essen, Übergewicht abbauen und Alkohol/Koffein vermeiden. Solche Maßnahmen bringen zwar oft nur eine mäßige Besserung, unterstützen aber die medikamentöse Therapie.
  • Medikamente: Antazida (säurebindende Mittel) oder Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI) reduzieren die Magensäure und lindern zuverlässig die Beschwerden. PPI gelten als sehr effektiv, müssen aber meist langfristig eingenommen werden. Bei sehr leichten Symptomen können gelegentlich auch H2-Blocker oder alginat-haltige Präparate zum Einsatz kommen.

Operative Therapie

Wenn eine medikamentöse Therapie unzureichend hilft oder ein Zwerchfellbruch vorliegt, kann eine Operation indiziert sein. 

Unser Standard ist die laparoskopische Fundoplikatio nach Toupet (270°-Fundoplikatio). Dabei werden Magen und unterer Ösophagus freigelegt, die Hernie zurückverlagert und die Zwerchfelllücke verschlossen. Anschließend schlingt man eine Magenmanschette um den Ösophagus, die das Öffnen des Schließmuskels wieder normalisiert. 

Dieser Eingriff wird in der Regel minimal-invasiv (Schlüsselloch-Chirurgie) durchgeführt und macht viele Patienten dauerhaft beschwerdefrei. Insbesondere bei großen Hernien, einer medikamentös unzureichenden Symptomkontrolle oder bereits geschädigter Speiseröhrenschleimhaut ist eine solche Operation empfehlenswert.

Wenn die Zwerchfellöffnung sehr groß ist, kann zusätzlich ein spezielles Netz eingebracht werden, um ein erneutes Herausrutschen des Magens zu verhindern.

Welche der Therapieoptionen passend ist wird individuell in der Sprechstunde besprochen, damit die beste Behandlung für sie festgelegt werden kann.

Achalasie

Eine weitere Speiseröhrenerkrankung

  • Achalasie ist eine seltene neuromuskuläre Funktionsstörung der Speiseröhre: Der untere Schließmuskel (Ösophagussphinkter) erschlafft nicht richtig, und die Peristaltik der Speiseröhre ist gestört. Dadurch können Nahrung und Flüssigkeit kaum in den Magen gelangen. Das führt zu Anzeichen wie hohem Druckgefühl oder krampfartigen Schmerzen hinter dem Brustbein beim Schlucken. Typisch ist auch ein Gefühl, Nahrung „stecke fest“, und nächtliches Hochwürgen von unverdauten Speisen. Da die Speiseröhre sich überdehnen kann, verlieren Betroffene oft Gewicht; sie entwickeln bei langem Krankheitsverlauf manchmal sogar Mangelerscheinungen. Ohne Behandlung besteht ein erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs.
  • Diagnose: Bei Verdacht auf Achalasie wird zunächst eine Magenspiegelung durchgeführt, um andere Ursachen (z.B. Tumoren) auszuschließen.
  • Entscheidend ist die Ösophagus-Manometrie: Dabei wird ein Schlauch über die Nase eingeführt und misst die Druckverhältnisse in der Speiseröhre. Bei Achalasie zeigt sich eine fehlende Entspannung des unteren Schließmuskels und fehlende oder spastische Peristaltik. Eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel (Breischluck) kann das charakteristische Bild einer Engstelle am Übergang zum Magen in Kombination mit einer erweiterten Speiseröhre liefern.

Therapie der Achalasie 

Anders als beim Reflux, wo es um Säurereduktion geht, zielt die Behandlung der Achalasie darauf ab, den zu engen Schließmuskel zu weiten oder zu spalten. Folgende Optionen gibt es:

  • Ballondilatation: Weite des Schließmuskels mit einem Ballonkatheter. Dies muss oft mehrfach wiederholt werden, kann aber vorübergehend Erleichterung bringen.
  • Injektion von Botulinumtoxin: Botulinum (Botox) wird direkt in den Muskel gespritzt, um ihn zu entspannen. Dies wirkt aber oft nur einige Monate.
  • Endoskopische Myotomie (POEM): Hierbei wird im Rahmen einer Magenspiegelung ein Tunnel in der Speiseröhrenwand angelegt und der untere Schließmuskel präzise gespalten. POEM (perorale endoskopische Myotomie) ist sehr schonend (kein äußerer Schnitt).
  • Chirurgische Myotomie (Heller-Myotomie): Minimal-invasiv (laparoskopisch) wird durch kleine Schnitte die Muskulatur am Mageneingang gespalten. Anschließend wird eine 180°-Fundoplikatio (Dor) angelegt, um einen anschließenden Reflux zu verhindern. Dieser Eingriff ist lang erprobt und dauerhaft wirksam. 

Jede dieser Therapieformen wird individuell ausgewählt. Die erfolgreiche Behandlung von Achalasie verbessert die Schluckfunktion und die Lebensqualität, sie heilt die Erkrankung jedoch nicht – daher kann eine dauerhafte Kontrolle sinnvoll sein.

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