Kasuistiken aus unserer Klinik
Klinische Fallberichte
Hier finden Sie den aktuellen Fallberichte aus der Endoskopie der Klinik für Innere Medizin - Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie, Nephrologie – DRK Kliniken Berlin Köpenick
Klinische Fallberichte
Hier finden Sie den aktuellen Fallberichte aus der Endoskopie der Klinik für Innere Medizin - Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie, Nephrologie – DRK Kliniken Berlin Köpenick
Die endoskopische Entfernung von Gallengangsteinen mittels ERC ist ein etabliertes Standardverfahren. In den meisten Fällen können Konkremente mit Ballonkatheter oder Extraktionskörbchen erfolgreich geborgen werden.
In einigen Situationen ist eine konventionelle Steinextraktion jedoch nicht möglich, beispielsweise bei großen, impaktierten oder ungünstig gelegenen Steinen.
In diesen Fällen kommen ergänzende endoskopische Verfahren zum Einsatz, darunter insbesondere cholangioskopisch gesteuerte Techniken sowie Lithotripsieverfahren zur Fragmentation und anschließenden Entfernung der Konkremente.
Ein Patient wurde zur endoskopischen Entfernung eines großen Konkrements im linken Hepaticusast vorgestellt, welches in einer vorangestellten ERC nicht mit einem Ballonkatheter mobilisiert oder mit einem Extraktionskörbchen gefasst werden konnte.
In der Durchleuchtung zeigte sich eine typische Aussparung im Bereich des linken Hepaticusasts mit fehlender Kontrastierung der intrahepatischen Gallenwege, vereinbar mit einem impaktierten Konkrement.
Abbildung 1: Kontrastmittelaussparung im linken Hepaticusast (dicker weißer Pfeil) mit fehlender intrahepatischer Kontrastierung durch den Konkrementverschluss
Aufgrund der frustranen konventionellen Extraktionsversuche erfolgte die Erweiterung der Intervention mittels Cholangioskopie. Unter direkter endoskopischer Sicht konnte der Stein sicher dargestellt und anschließend mittels elektrohydraulischer Lithotripsie (EHL) fragmentiert werden.
Abbildung 2: Cholangioskopie mit Steindarstellung (dicker weisser Pfeil) und Steinzertrümmerung mittels EHL-Sonde (dicker gelber Pfeil)
Die Fragmente konnten im Anschluss vollständig geborgen und die Gallengänge suffizient saniert werden.
Abbildung 3: Okklusionsdarstellung mittels Ballonkatheter (dicker gelber Pfeil) ohne Nachweis einer Aussparung mit jetzt intrahepatischer linker Kontrastierung (dicker weißer Pfeil)
Postinterventionell zeigte sich eine freie Drainage des intrahepatischen Gallengangsystems ohne residuelle Konkremente. Der Patient war im Verlauf beschwerdefrei und konnte in stabilem Allgemeinzustand entlassen werden.
Darmkrebs entsteht häufig über Jahre aus gutartigen Vorstufen. Die Darmspiegelung ist deshalb so wirkungsvoll, weil sie Diagnose und Behandlung verbinden kann. Für ausgewählte Frühformen stehen heute spezialisierte endoskopische Verfahren zur Verfügung.
Ein Beispiel ist die endoskopische Vollwandresektion, kurz EFTR. Dabei wird ein Vorstadium oder bereits bösartiger Befund mitsamt der Darmwand entfernt. In geeigneten Fällen kann dadurch eine Operation vermieden werden – vor allem bei sehr früh erkannten Tumoren ohne erhöhtes Risiko für Lymphknotenmetastasen.
Bei einem 86-jährigen Patienten wurde wegen einer Blutarmut eine ambulante Darmspiegelung durchgeführt. Typische Darmbeschwerden bestanden nicht.
Im Colon transversum zeigte sich eine auffällige Läsion mit Verdacht auf eine fortgeschrittene Neoplasie beziehungsweise ein sehr frühes Karzinom. Die Probenentnahme bestätigte den Verdacht.
Nach interdisziplinärer Einschätzung entschieden wir uns für eine Vollwandresektion. Ziel war die vollständige, schonende und organerhaltende Entfernung mit sicher beurteilbaren Resektionsrändern.
Die EFTR erfolgte im April 2026. Der Befund wurde präzise eingestellt, die Darmwand mit einem speziellen Clip-System gefasst und verschlossen. Anschließend wurde die Läsion oberhalb des Clips vollständig abgetragen. Der Eingriff verlief komplikationslos.
Die Untersuchung des Gewebes zeigte ein moderat differenziertes Adenokarzinom des Dickdarms. Entscheidend war: Es handelte sich um ein Frühkarzinom mit günstigen Risikokriterien. Der Tumor war nur oberflächlich in die Submukosa eingewachsen, ohne Lymphgefäß- oder Veneninvasion. Zudem wurde der Befund vollständig im Gesunden entfernt.
Der Patient benötigt keine zusätzliche Therapie, eine Darmoperation war nicht erforderlich.
Der Patient erholte sich rasch und konnte nach zwei Tagen entlassen werden. Besonders erfreulich war, dass trotz der Diagnose eines bösartigen Tumors keine große Operation notwendig wurde.
Der Fall zeigt den Stellenwert moderner therapeutischer Endoskopie: Bei früh erkanntem Darmkrebs kann aus einer diagnostischen Darmspiegelung eine kurative, minimal-invasive Behandlung werden.
Nach einer Magenbypass-Operation zur Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas) kommt es häufiger zur Bildung von Gallensteinen. Dies liegt unter anderem an der raschen Gewichtsabnahme. Gelangen Gallensteine in den Gallengang (Choledocholithiasis), kann dies zu Schmerzen, Gelbsucht oder Entzündungen führen.
Durch die veränderte Anatomie nach einem Magenbypass ist der Zugang zum Gallengang jedoch erschwert: Eine herkömmliche endoskopische Untersuchung und Behandlung (ERCP) ist häufig nicht möglich, da die Papille – die Mündungsstelle des Gallengangs – mit einem normalen Endoskop nicht erreicht werden kann.
Eine Patientin stellte sich bei uns mit Beschwerden durch Gallensteine im Gallengang vor. Aufgrund der vorangegangenen Magenbypass-Operation war die Papille auf konventionellem endoskopischem Weg nicht erreichbar. Nach ausführlicher Aufklärung entschieden wir uns gemeinsam mit der Patientin für ein modernes, minimal-invasives Verfahren: die sogenannte EDGE-Prozedur (Endoscopic Ultrasound-Directed Transgastric ERCP).
Hierzu wurde zunächst mithilfe der Endosonographie (Ultraschall von innen) der ausgeschaltete Magenanteil aufgesucht. Dieser wurde gezielt punktiert und die korrekte Lage unter Röntgendurchleuchtung mit Kontrastmittel überprüft (Abbildung 1).
Anschließend wurde der ausgeschaltete Magen mit Flüssigkeit gefüllt und eine Verbindung zwischen dem kleinen Magenrest und dem ausgeschalteten Magen geschaffen (Abbildung 2).
Diese Verbindung wurde mithilfe eines speziellen Metallstents (LAMS, „Hot Axios“) angelegt. Da bei der Patientin keine akute Entzündung der Gallenwege bestand, konnte einige Tage abgewartet werden, bis sich der Stent vollständig entfaltet hatte. Über diesen neu geschaffenen Zugang war es anschließend möglich, die notwendige ERCP durchzuführen und die Gallensteine zu entfernen (Abbildung 3).
Nach erfolgreicher Entfernung der Gallenblase (Cholezystektomie) wurde der Stent nach insgesamt sechs Wochen im Rahmen einer Magenspiegelung wieder entfernt. Der weitere Verlauf war komplikationslos.
Dieser Fall zeigt, dass auch bei komplexen anatomischen Verhältnissen nach bariatrischer Chirurgie moderne endoskopische Verfahren eine schonende und effektive Behandlung ermöglichen. Die enge Zusammenarbeit von Endoskopie, Chirurgie und Patientin war dabei entscheidend für den Therapieerfolg.
Hintergrund: Der Magenbypass ist ein bewährtes Operationsverfahren zur Behandlung von starkem Übergewicht. Viele Patientinnen und Patienten profitieren langfristig von einer deutlichen Gewichtsabnahme und einer Verbesserung begleitender Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck.
In manchen Fällen kann es jedoch Jahre nach der Operation zu Problemen kommen. Typische Beschwerden sind: erneute Gewichtszunahme, vermehrtes Hungergefühl, schnelles Herzklopfen, Schwindel oder Durchfall nach dem Essen (sogenanntes Dumping-Syndrom). Eine häufige Ursache hierfür ist eine zu weit gewordene Verbindung (Anastomose) zwischen dem kleinen Magenrest und dem Dünndarm. Ist diese Öffnung zu groß, passiert die Nahrung zu schnell den Magen – das Sättigungsgefühl bleibt aus.
Eine Patientin stellte sich über unser Adipositaszentrum mehrere Jahre nach Magenbypass-Operation mit erneuter Gewichtszunahme und ausgeprägten Dumping-Beschwerden vor. In der Magenspiegelung zeigte sich eine deutlich erweiterte Anastomose.
Bild 1: Weit offene Anastomose vor der Behandlung
Statt einer erneuten Operation kann in vielen Fällen heute ein schonendes endoskopisches Verfahren eingesetzt werden. Dabei erfolgt die Behandlung von innen, also über eine Magenspiegelung – ganz ohne Bauchschnitt. In diesem Fall wurde eine endoskopische Verkleinerung der Anastomose mit dem BARS™-System (Ovesco) durchgeführt. Der Eingriff dauert in der Regel nur kurze Zeit, erfolgt meist in Sedierung und erfordert keinen längeren Krankenhausaufenthalt.
Bild 2: Verkleinerte Anastomose nach endoskopischer Therapie
Bereits wenige Wochen nach dem Eingriff berichtete die Patientin über weniger Beschwerden und ein besseres Sättigungsgefühl.
Bei einer Darmspiegelung wurde bei einem Patienten ambulant ein etwa 3 cm großer, flacher Polyp (Abbildung 1) im Enddarm (Rektum) entdeckt und der Patient uns zur endoskopischen Entfernung vorgestellt.
Aufgrund der Größe und der flachen Ausdehnung des Polypen entschieden wir uns für eine endoskopische Submukosadissektion (ESD). Dieses spezialisierte endoskopische Verfahren ermöglicht es, auch größere und flache Veränderungen sehr präzise und vollständig zu entfernen, ohne dass eine Operation notwendig ist. Dabei wird der Polyp zunächst von der tieferen Wandschicht angehoben und anschließend mit speziellen Instrumenten schrittweise von der Darmwand gelöst. Ziel ist die komplette Entfernung in einem Stück.
Der etwa 3 cm große Polyp konnte erfolgreich vollständig und zusammenhängend entfernt werden (Abbildung 4). Eine Operation war nicht erforderlich. Das entnommene Gewebe wurde anschließend feingeweblich untersucht, um die genaue Diagnose festzulegen.
Dieser Fall zeigt, dass moderne endoskopische Verfahren wie die ESD auch bei größeren Polypen im Enddarm eine schonende, organerhaltende Alternative zur Operation darstellen. Durch die vollständige Entfernung im Ganzen wird eine sichere Diagnostik ermöglicht und das Risiko eines Wiederauftretens deutlich reduziert.