Katharina J. Kühne
Katharina J. Kühne zeigt neue Malerei, Papierarbeiten und Skulpturen, in denen sie die Natur als Schutzraum und Spiegel innerer Zustände erforscht. Die Ausstellung wurde realisiert in Kooperation mit der Kunststiftung Kunze.
Forest Shelter – Wiegmann Klinik
Mit ihrer Ausstellung „Forest Shelter“ entwirft Katharina Kühne eine poetische Annäherung an die unsichtbaren Strukturen und Rhythmen der Natur. Ihre Malerei, oft geprägt von Rot- und Grüntönen, bewegt sich in einem Spannungsfeld zwischen Mikro- und Makrokosmos: Mal wirken ihre Kompositionen wie mikroskopische Aufnahmen pflanzlicher Zellen, mal erinnern sie an weitläufige Landschaften aus der Vogelperspektive. Diese Dualität zwischen Nähe und Distanz, Detail und Gesamtheit, ist charakteristisch für ihr Werk.
Feine Raster durchziehen ihre Bildflächen – parallele Linien, die sich wie ein Koordinatensystem über die organischen Formen legen. Sie suggerieren ein kartografisches Erfassen, ein Vermessen der Natur. Doch gerade in dieser vermeintlichen Ordnung offenbart sich eine tiefere Ambivalenz: Die Raster sind kein starres Gerüst, sondern ein fragiles Netz, das die Natur weder einhegen noch kontrollieren kann. Vielmehr verstärken sie das Bewusstsein für deren eigentümliche, ungebändigte Logik.
Diese Spannung zwischen strukturellem Eingriff und fließender Form setzt sich in Kühnes Arbeitsweise fort. Sie entwickelt ihre Werke in einem mehrteiligen Prozess mit Acrylfarbe auf Leinen. Oftmals verwendet sie bemalte Folien, die sie auf die Leinwand druckt. So ergeben sich Strukturen, die an abperlendes Wasser oder Geäst erinnern. Manche Werke entstehen ‚in einem Guss‘, wohingegen sich andere in vielen Schichten aufbauen. Kühnes Malstil wechselt zwischen präzisen Setzungen und spontanen, unkontrollierbaren Verläufen. Farben und Folien überlagern sich, verlaufen und neue Formen tauchen aus der Bewegung heraus auf – ein Dialog zwischen Ordnung und Chaos, Plan und Intuition.
Ihre Bilder sind keine bloßen Abbildungen, sondern Seelenlandschaften, die das Wechselspiel von Ordnung und Wildnis spürbar machen. Sie laden ein, sich in den Rhythmen der Natur zu verlieren, sich dem schwer Fassbaren zu nähern und die fragile Schönheit eines Kosmos zu entdecken, der sich einer endgültigen Definition entzieht.
Katharina J. Kühne, geb. 1992 in Lüneburg, studierte von 2015–2021 bei Prof. Wolfgang Ellenrieder und Björn Dahlem an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig. Im Jahr 2019 erhielt sie das Deutschlandstipendium, gefördert durch Perdita und Hans-Peter Kunze. 2024 war sie Stipendiatin der Kunststiftung Kunze in Gifhorn. Sie lebt und arbeitet in Lüneburg.
Die Ausstellung wurde realisiert in Kooperation mit der Kunststiftung Kunze, Gifhorn.