Würdevoller Abschied vom ungeborenen Kind

Berlin, 15. Juni 2012
Beisetzung und Trauerfeier auf der Luisenlichtung gemeinsam mit den Ärzten und den Eltern

Beisetzung und Trauerfeier auf der Luisenlichtung gemeinsam mit den Ärzten und den Eltern

Oberarzt Dr. Christof Olbrich (li), Pastor Peter Paul Wenz (mi) und Chefarzt Professor Dr. Christopher Altgassen

Oberarzt Dr. Christof Olbrich (li), Pastor Peter Paul Wenz (mi) und Chefarzt Professor Dr. Christopher Altgassen

Auf dem Luisenfriedhof an den DRK Kliniken Berlin | Westend ist am Donnerstag, den 14. Juni, in einer würdevollen Zeremonie die Sammelurne mit den sterblichen Überresten von Früh- oder Totgeburten aus den DRK Kliniken Berlin bestattet worden. Neben elf betroffenen Eltern haben auch Hebammen, Schwestern, Ärzte sowie Professor Dr. med. Christopher Altgassen, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie, Geburtshilfe und gynäkologische Onkologie an der Beisetzung teilgenommen.

Seit mehr als zehn Jahren engagiert sich das Team der Klinik für einen einfühlsamen Umgang mit Eltern, die um ihr ungeborenes Kind trauern. Gemeinsam mit der Luisen-Kirchengemeinde Charlottenburg lädt die Klinik jeweils im Juni und im November betroffene Eltern zu dieser Zeremonie ein und bietet ihnen damit die Möglichkeit an, von ihren verstorbenen Kindern würdevoll Abschied zu nehmen und ihnen dafür einen Ort der Trauer zu geben.

Oberarzt Dr. Christof Olbrich, die Psychologin Maja Rosemeyer und Professor Altgassen engagieren sich stark für diese Zeremonie. „Diese Veranstaltung ist eine interessante Facette der Arbeit und ist sehr wichtig, weil sie ein schwieriges Erlebnis auch für die Eltern abschließt“, sagte Professor Altgassen am Rande der Beerdigung.

Bereits im Jahr 2008 – damals noch unter der Leitung von Chefarzt Professor. Dr. med. Heribert Kentenich – hatte das Team der Klinik die Anfertigung eines Gedenksteins initiiert, der seitdem das Zentrum der Trauer auf der sogenannten Luisenlichtung bildet. Dort werden die Sammelurnen in Begleitung der Eltern beigesetzt. Die Luisenlichtung wird auch nach der Zeremonie von vielen Eltern weiterhin regelmäßig besucht, um dort ihrer verstorbenen Kinder zu gedenken. „Für die Eltern ist es für die psychische Verarbeitung dieser Tragödie sehr wichtig, dass sie einen festen Ort der Trauer haben“, so Oberarzt Dr. Olbrich.

Die kirchliche Bestattungszeremonie wurde gemeinsam von Pastorin Dorothea Strauß sowie dem Krankenhausseelsorger Pastor Peter Paul Wenz abgehalten. Der Seelsorger fand tröstende Worte für die Trauernden und hoffte, dass es „vielleicht hilfreich ist, wenn andere gemeinsam mit ihnen trauern“, so Pastor Wenz. Und er erinnerte daran, wie sehr der vermeintliche Trost von Verwandten und Freunden wehtun kann, weil doch das Kind noch zu klein, zu unvollkommen und noch nicht gelebt habe. „Doch 'nicht gelebt' ist falsch, denn Mutter und Vater haben es bereits deutlich gespürt“, so der Pastor. Aus diesem Grund spricht das gesamte Team die betroffenen Eltern immer als Vater und Mutter an und ermuntert diese, ihrem verstorbenen Kind einen Namen zu geben. So auch dieses Mal, wo die Trauernden im Gedenken an Kinder wie „Bruno“ oder „Maria“ eine Kerze anzündeten, um dann Pastor Wenz auf die Luisenlichtung zu begleiten, wo dieser die verstorbenen Kinder segnete.

Für Embryos und Feten unter 1000 Gramm gilt in Deutschland keine Bestattungspflicht. Früher wurden die Feten in den Kliniken mit Klinikabfall entweder verbrannt oder die Eltern sorgten auf eigene Kosten für eine individuelle Beerdigung. Diese wenig einfühlsame Praxis wurde 1999 aufgegeben, weil still geborene Kinder nun mal kein Abfall sind, sondern kleine Menschen, die keine Chance zum Leben bekamen.