Wie sag ich’s meinem Kinde? Kinder als Angehörige Krebserkrankter

Berlin, 05. Oktober 2011

"Erklären, warum Mama nicht da ist"  – Das Onko-Forum berät Frauen zum Umgang mit Krebs.

Die Diagnose Brustkrebs ist ein Schock für die ganze Familie. Das Onko-Forum in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick informiert Patientinnen und gibt Hilfestellungen zum Thema Mammakarzinom. Beim Onko-Forum am 4. Oktober 2011 in Köpenick im Brustzentrum hat Susan Kaufmann, Psychotherapeutin und Psychoonkologin, erklärt, wie Frauen diese Krankheit ihren Kindern sanft beibringen können. Die Psychoonkologin hat Hinweise geben, wie Kinder in das Thema mit einbezogen werden können.

So sind in der Bundesrepublik Deutschland jährlich insgesamt etwa 200.000 Kinder und Jugendliche davon betroffen, dass ein Elternteil an Krebs erkrankt ist, sagte Kaufmann. Oft meinen Eltern, dass ihre Kinder noch zu klein sind, um mit der schweren Erkrankung umgehen zu können. Aber Kinder spüren, dass etwas nicht stimmt. Man sollte seine Kinder so früh wie möglich über die schwere Erkrankung informieren, dabei aber nichts versprechen, was man nicht einhalten kann. Selbst Säuglinge merken bereits, dass etwas nicht stimmt, weil die Mutter zum Beispiel nicht mehr soviel da ist wie sonst.  Deshalb ist es wichtig, die Kinder kindgerecht aufzuklären.

Um mit seinem Kind über die Erkrankung sprechen zu können, sollte man selbst eine gewisse Stabilität wieder erlangt haben. In einer ruhigen Atmosphäre, in der Kinder auch nachfragen können, sollte man das schwierige Thema ansprechen. Dabei sollten Eltern nicht nur über die Erkrankung sprechen, sondern auch über mögliche Nebenwirkungen wie Erschöpfung, Haarausfall und Schwäche. Denn viele Kinder können nicht nachvollziehen, warum die Mutter nach einer Operation relativ fit aus der Klinik kommt und es ihr anschließend, weil sie sich zum Beispiel einer Chemotherapie oder einer Bestrahlung unterziehen muss, schlechter geht als vorher.

Schon zwei- bis vierjährigen Kleinkindern kann man erklären, dass Mama krank ist, sagte Kaufmann. Die Kinder brauchen eine Erklärung für die Trennung, warum die Mama im Krankenhaus und nicht da ist. Bei Kindergartenkindern im Alter bis zu sechs Jahren besteht die Gefahr, dass sie sich selbst die Schuld geben, dass die Mutter krank ist. Aufklärung und Information sind sehr wichtig, um Kinder von Verschuldungsfantasien zu entlasten, sagte die Psychoonkologin.

Im Alter von fünf Jahren begreifen Kinder bereits, dass der Tod eine Trennung von Vater und Mutter bedeutet. Grundschulkindern im Alter von sechs bis elf Jahren kann man die Ernsthaftigkeit einer Krebserkrankung beschreiben. Die meisten Kinder in diesem Alter haben schon mal etwas von Krebs gehört. Zudem ist es wichtig, den Kindern zu vermitteln, dass man sie lieb hat und sie nicht schuld an der Erkrankung der Mutter sind. Jugendliche, die sich ohnehin oft in einem Abgrenzungsprozess zu den Eltern befinden, reagieren sehr unterschiedlich auf eine Krebserkrankung der Mutter. Von totalem Abschotten bis hin zur Aufgabe der Selbstständigkeit reichen zuweilen die Reaktionen.

„Jugendliche brauchen Erklärungen wie Erwachsene“, sagte die Psychoonkologin. Letztlich, so Kaufmann, sollten die Kinder die Wahrheit über die Erkrankung kennen, aber sie müssten nicht alle Details wissen.

 
Dipl.-Psych. Susan Kaufmann ist Psychologische Psychotherapeutin und arbeitet als Psychoonkologin im Brustzentrum und Gynäkologischen Krebszentrum Berlin Treptow-Köpenick der DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Sie begleitet die Patientinnen von der Diagnose bis zur Nachbehandlung.

Das Onko-Forum versteht sich als Kommunikationsplattform, bei der die Teilnehmer/-innen Informationen erhalten und Fragen stellen können, die von Fachleuten beantwortet werden.

Die nächste Veranstaltung ist am 1. November von 17:00 Uhr bis 18:30 Uhr im Brustzentrum, Haus 5.4, Konferenzraum, Salvador-Allende-Straße 2 - 8, 12559 Berlin zu dem Thema: Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. Es referiert die Psychologische Psychotherapeutin Sabine Noack-Schönian von den DRK Kliniken Berlin | Köpenick.

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