Vom Sinn und Unsinn des Händewaschens

Berlin, 05. Mai 2016

Warum waschen wir uns im Alltag die Hände und die Mitarbeiter im Krankenhaus desinfizieren sie sich? Ist das Eine besser als das Andere? Am 5. Mai ist Welt-Händehygienetag, Anlass genug, um sich mit dem richtigen Händewaschen und dem (Un-)Sinn von Desinfektionsmitteln zu beschäftigen.


Hygienefachkraft Katja Woop


Auch die Fingerkuppen müssen gründlich gereinigt werden.

Händewasche ist wichtig, das lernen wir schon als Kind. Aber wann ist es richtig? Studien bescheinigen den Deutschen eher schlechte Noten, was die Handhygiene im Alltag betrifft. Dabei trägt Händewaschen entscheidend dazu bei, die Übertragung von Infektionskrankheiten einzudämmen, wie Hygienefachkraft Katja Woop von den Berliner DRK Kliniken | Westend erklärt.

Man muss sich nur an ein paar wichtige Regeln halten: nach dem Toilettengang ist Händewaschen absolute Pflicht. Wenn die Hände sichtbar verschmutzt sind ebenfalls. Auch vor dem Essen sollte man sich die Hände waschen. In Straßenbahnen und Bussen treffen viele Menschen aufeinander, und alle berühren die gleichen Stellen: Haltestangen, Haltewunschknöpfe usw. Kommt man nach Hause, ist das Waschen der Hände sinnvoll. Öfter nicht, denn allzu häufiges Händewaschen trocknet die Haut aus und zerstört das natürliche Gleichgewicht, das die Haut widerstandsfähig gegenüber Keimen macht. Hält man sich an diese Regeln, so ist das schon die halbe Miete: denn das Händewaschen muss auch richtig gemacht werden:

Die Hände unter nicht zu warmes, fließendes Wasser halten und anschließend die Seife 20 bis 30 Sekunden verreiben. Dabei sollen neben Handinnenflächen auch Handrücken, Daumen und Fingerzwischenräume ordentlich bearbeitet werden, so lautet die Grundregel. Flüssigseifen sind dabei die bessere, weil hygienischere Alternative im Vergleich zu Seifenstücken, wo sich Keime leichter ansiedeln können. Anschließend sollten die Hände gründlich abgetrocknet werden. Papierhandtücher sollten in öffentlichen Einrichtungen den herkömmlichen Frotteetüchern bevorzugt werden, denn auch dort lauert eine weitere Keimfalle. Umweltschonender ist natürlich die Verwendung eines Frotteetuchs, was jedoch regelmäßig bei mindestens 60 Grad gewaschen werden sollte. Abschließend sollten die Hände zur Pflege eingecremt werden.

So sollte die Waschprozedur idealerweise ablaufen. „Die meisten Menschen waschen sich ihre Hände schlicht zu kurz“, weist Woop auf den häufigsten Fehler in der Handhygiene hin. Als Eselsbrücke kann man sich ein altbekanntes Lied heranziehen: Das zweimalige Summen von Happy Birthday entspricht in etwa der empfohlenen Zeit zum Einseifen.

Im Krankenhaus gehört Händewaschen ebenfalls dazu. Hier halten sich die Mitarbeiter an dieselben Regeln. Auch vor einer Operation wäscht sich das Operationspersonal die Hände. Frau Woop erklärt, dass im Krankenhaus die Händedesinfektion eine besondere Rolle spielt, denn hier sind viele kranke Menschen mit offenen Wunden und teilweise kritischen Krankheitserregern an einem Ort versammelt. Mit den Händen des Personals können Bakterien und Viren sehr schnell von einem Patienten zum nächsten gelangen. Diese Übertragungskette wird mit der Händedesinfektion unterbrochen.

Die Händedesinfektionen seien hingegen für Personen, die nicht im Gesundheitssektor arbeiten nicht nötig, so Woop weiter. Sie verweist sie auf die Stärken unseres Immunsystems: „Wäre ein permanentes Desinfizieren nötig, wären wir ständig krank. Die meisten Keime lassen sich im eigenen Kühlschrank finden. Wenn man sich etwas aus dem Kühlschrank genommen hat desinfiziert man sich danach ja auch nicht die Hände. Wo sollten wir dann also anfangen und wo aufhören?“

Im Alltag sieht die Hygienefachkraft den Einsatz von Desinfektionsmitteln also kritisch, Seifen mit antimikrobakteriellen Zusätzen oder Hygienegels kann sie auch nicht viel abgewinnen. „Seifen mit speziellen Zusätzen können ihre Wirkung in der Regel gar nicht entfalten. Nach dem Händewaschen trockne ich meine Hände an einem kontaminierten Handtuch ab, damit ist die Wirkung schon wieder passé. Zudem fördern solche Seifen eher Resistenzen und Allergien, als das sie hilfreich sind“, stellt Woop klar. Auch desinfizierende Händehygienegels aus der Drogerie seien völlig überzogen, so Woop weiter. Sie können zwar ganz nützlich sein, ihre Wirkung ziele aber eher auf das „Seelenheil“ ab. Händewaschen sei im Alltag immer noch die beste Alternative.

Übrigens: Das Datum 5. Mai ist nicht rein zufällig gewählt sondern symbolisiert die fünf Finger an beiden Händen.

Ansprechpartnerin:
DRK Kliniken Berlin | Westend
Institut für Hygiene
Ltd. Hygienefachkraft Katja Woop
k.woop@drk-kliniken-berlin.de
Spandauer Damm 130
14050 Berlin