Ventile für die kranke Lunge

Berlin, 09. November 2016

Am 9. November begehen wir den Welt-COPD-Tag. Was COPD genau bedeutet, mit welchen Beschwerden die Betroffenen kämpfen und wie Ärzte ihre Patientinnen und Patienten von der chronischen Luftnot befreien können, beschreibt der Lungenspezialist und Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Pneumologie und Schlafmedizin der DRK Kliniken Berlin | Mitte, Privatdozent Dr. med. Bernd Schmidt.


Chefarzt PD Dr. med. Bernd Schmidt


Schematische Darstellung der Lunge

Am liebsten würde Privatdozent Dr. med. Bernd Schmidt seinen Patienten die Zigaretten einfach wegnehmen. Die Glimmstängel sind Verursacher mehrerer lebensbedrohlicher Lungenerkrankungen wie zum Beispiel der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Diese typische Raucherkrankheit führt dazu, dass die Patienten eine chronische Entzündung der Lunge und eine Verengung der Atemwege erleiden. Die Betroffenen klagen über Luftnot, Husten und haben Auswurf. Die Erkrankung schreitet langsam voran und ist nicht heilbar. Aus der Luftnot kann schnell eine lebensbedrohliche Situation werden.

Die Patienten, die an COPD erkrankt sind, brauchen für jeden Atemzug mehr Kraft. Außerdem verbleibt bei jedem Einatmen immer mehr Luft in der Lunge. Dadurch weitet sich die Lunge immer mehr aus, aber es kommt beim Ausatmen auch immer weniger Luft aus der Lunge raus. Die Luft, die beim Ein- und Ausatmen bewegt wird, nimmt also ab.

Patienten, die trotz dieser schweren Erkrankung auch noch weiterrauchen verschlechtern die eigene gesundheitliche Lage noch mehr. Deshalb wird es Privatdozent Dr. med. Bernd Schmidt, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Pneumologie und Schlafmedizin in den DRK Kliniken Berlin | Mitte, nicht müde, immer wieder auf die Gefahren des Rauchens und auf die Anti-Raucher-Kurse in der Klinik hinzuweisen.

Wie kann man COPD-Patienten medizinisch helfen? Zunächst wird eine Diagnostik gemacht, bei der die Lungenfunktion überprüft wird. Danach entscheidet sich, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Gegen die Verengung der Atemwege können Patienten moderne Inhalationssprays nehmen, die auch bei Asthma eingesetzt werden. Gegen die Entzündung der Lunge können zusätzlich cortisonhaltige Sprays sinnvoll sein. Neuerdings enthalten diese Sprays eine Kombination von Wirkstoffen. Einigen Patienten kann auch mit zusätzlichem Sauerstoff, der über einen Nasenschlauch zugeführt wird geholfen werden.

Bei besonders schweren Erkrankungen mit großen Überblähungen (Lungenemphysem), kann eine Operation helfen. In diesen Fällen entscheiden der Pneumologe Dr. Bernd Schmidt und sein Chefarzt-Kollege, der Thoraxchirurg Privatdozent Dr. Paul Schneider gemeinsam, ob eine Verkleinerungs-OP (Lungenvolumenreduktion) in Frage kommt. Dabei wird ein Teil der krankhaft vergrößerten und überblähten Lunge entfernt. Neben diesem großen chirurgischen Eingriff gibt es seit neuestem auch minimal-invasive Alternativen. So werden einigen Patienten über eine Lungenspiegelung (Bronchoskopie) winzige Ventile in die Atemwege eingesetzt. Diese Ventile wirken wie Stöpsel. Es kommt weder Luft rein, noch Luft raus. So kann in diesen Lungenbereichen verhindert werden, dass sich die Lunge weiter ausdehnt. Alternativ setzen die Mediziner kleine Metallspiralen in die Atemwege, die den gleichen Effekt haben wie die Ventile. Diese Verfahren können bei ausgewählten Patienten eine deutliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit und der Lebensqualität bewirken. Obwohl die Lunge verkleinert wird, ist sie wieder leistungsfähiger und kann besser arbeiten.

Die Lunge
Unsere Lungenflügel sind unser Sauerstoffgerät. Insgesamt atmet ein gesunder Mensch etwa 10.000 Liter Luft am Tag ein. Das Organ hat eine Oberfläche von 140 Quadratmetern. Es gibt 300 Millionen Bläschen in den Lungen, die für den Gasaustausch zuständig sind.

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