Still geborene Kinder

Berlin, 28. November 2014

Trauerdekoration in der Kapelle


Würdevolle Beisetzung


Chefarzt Dr. Hartmann, Pfarrer Wentz, Pfarrerin Strauß, Psychologin Rosemeyer, Kirchhofsverwalter Thomas Höhne

In der Kapelle des Luisenfriedhofs ist eine liebevoll geschmückte weiße Trauerdekoration ausgelegt mit Rosen, Chrysanthemen, Efeuranken, Kerzen und kleinen Herzen aus Glas. In den Bankreihen des kleinen Sakralbaus stehen acht Familien, darunter Elternpaare, Frauen, Männer, Kinder und Großeltern um Abschied zu nehmen von ihren Kindern, Enkelkindern, Geschwistern, die nicht das Licht der Welt erblicken durften.

Junior, Yamal und Anton sind schon als Föten im Mutterleib gestorben. Die Eltern hatten ihnen bereits Namen gegeben, die Kinder waren schon Teil der Familie, auch wenn sie noch gar nicht geboren waren. „Für die Eltern ist das sehr schmerzhaft“, weiß der Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der DRK Kliniken Berlin | Westend, Dr. med. Wolfgang Hartmann, denn heutzutage, mit den modernen apparativen Möglichkeiten der Medizin können Eltern im sehr frühem Entwicklungsstadium jede Regung ihres Kindes bereits im Mutterleib miterleben. „Der visuelle Kontakt zu dem Kind ist schon sehr früh da und verstärkt die Bindung“, sagt Chefarzt Dr. med. Hartmann.

Umso schwerer wiegt der Verlust des schon liebgewonnenen noch ungeborenen Kindes. „Umso wichtiger ist es für die Elternpaare, Abschied nehmen zu können von ihren Kindern. Dafür geben wir ihnen einen Raum und einen Ort für einen rituellen Abschied“, sagen Pfarrerin Dorothea Strauß und Pfarrer Peter Paul Wentz, die die Zeremonie am 27. November 2014 auf dem Luisenfriedhof an den DRK Kliniken Berlin | Westend gestalten. Sie geben den Familien Halt, spenden tröstende Worte.

Nach einer feierlichen Andacht begleiten die Familien die Sammelurne mit den sterblichen Überresten der still geborenen Kinder zur Grabstelle an der Luisenlichtung. Mit bunten Windrädern, Teddybären, Puppen, kleinen Weihnachtsbäumchen und Porzellanfiguren sind die kleinen Grabstätten hier in der Nachbarschaft geschmückt. Im Halbkreis stehen Pfarrerin, Pfarrer, Chefarzt, Psychologin und die Angehörigen um die Grabstelle ihrer Kinder und verabschieden sich. Sie legen Blumen auf die Grabstelle, es fließen Tränen.

„Die Trauer endet nicht“, sagt Pfarrerin Dorothea Strauß. Aber nach einer Weile entstehen Narben und mit dem Friedhof als Ort der Abschiednahme hätten die Angehörigen auch immer wieder einen Ort, zu dem sie kommen können, wenn sie das Bedürfnis haben.

Bereits 2008, damals noch unter der Leitung von Chefarzt Professor Dr. med. Heribert Kentenich, hatte das Team der Klinik die Anfertigung eines Gedenksteins veranlasst. Der Stein bildet seither den Mittelpunkt der Trauer auf der Luisenlichtung. Oberarzt Dr. med. Christof Olbrich, die Psychologin Maja Rosemeyer und Chefarzt Dr. Wolfgang Hartmann engagieren sich für diese Zeremonie und nehmen auch selbst daran teil. „Es ist eine Respektbekundung vor den Eltern, die nicht nur ‚Gewebe‘, sondern ihre Kinder verloren haben“, betont Chefarzt Dr. Hartmann.

Maja Rosemeyer beschreibt, wie die Initiative entstanden ist: Seit 2008 gibt es die Luisenlichtung. Da für Embryos und Föten unter 1000 Gramm in Deutschland keine Bestattungspflicht besteht, wurden diese früher oftmals in den Kliniken mit dem Klinikabfall verbrannt oder die Eltern sorgten selbst auf eigene Kosten für eine individuelle Beerdigung. Diese wenig sensible Praxis wurde 1999 aufgeben, weil still geborene Kinder kein Abfall sind, sondern kleine Menschen, die keine Chance zum Leben bekamen.