Neue Therapie für defekte Stoßdämpfer

Berlin, 25. August 2014

Wirbelsäulenspezialist Dr. Süss

Sie sind die Stoßdämpfer unseres Körpers – die Bandscheiben. 23 solche mit gallertartigem Gewebe und Flüssigkeit gefüllte kleine Knorpelsäckchen befinden sich in unserer Wirbelsäule zwischen den Rückenwirbeln. Reißt ein solches Säckchen, kann der ausgelaufene Gallertkern auf die Nerven oder das Rückenmark drücken, was Schmerzen verursacht. Zudem prallen nun die Wirbel ohne Puffer aufeinander und verschleißen schneller. Alles dies führt zu Schmerzen, Taubheitsgefühl bis hin zu Lähmungen und heißt Bandscheibenvorfall.

Versagen die konservativen Therapiemaßnahmen besteht die Therapie darin, das ausgelaufene Gewebe bei einer Operation zu entfernen. Ohne einen adäquaten Ersatz für die nun fehlenden körpereigenen Pufferzellen (Chondrozyten) können die Patienten aber bald neue Probleme durch Wirbelabnutzungen bekommen. Dies kann zu neuen Rückenschmerzen führen, so dass manchmal im Laufe der Jahre erneut operiert werden muss.

Eine neue Methode wird nun ab Oktober 2014 unter anderem an den DRK Kliniken Berlin | Westend angeboten. Neben dem dortigen Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie beteiligen sich zwölf weitere klinische Zentren im deutschsprachigen Raum an einer großen wissenschaftlichen Studie.

Dabei werden Patienten, bei denen eine Bandscheiben-Operation erforderlich wird, neu gezüchtete körpereigene Knorpelzellen eingesetzt. Dafür wird – wie bei anderen Patienten bisher auch üblich –, bei einer Operation unter Vollnarkose das ausgetretene Bandscheibengewebe mikrochirurgisch und minimal-invasiv entfernt. Daraus werden die körpereigenen Knorpelzellen gewonnen, vermehrt und in einer Matrix, einem so genannten Hydrogel in die ausgelaufene Bandscheibe eingespritzt.

„Auf die Art wird die defekte Bandscheibe wieder mir körpereigenem Material aufgefüllt“, beschreibt Wirbelsäulenspezialist Dr. Süss. Der Mediziner setzt in die Methode große Hoffnungen. Vor allem junge Bandscheibenpatienten könnten profitieren. „Bei ihnen könnten die frühzeitigen Wirbelabnutzungen verhindert werden, sie wären schmerzfrei, könnten arbeiten und Sport treiben“, sagt Süss. Um zu kontrollieren, ob die Implantation der Zellen erfolgreich war, werden die Studienteilnehmer für einen Zeitraum von fünf Jahren engmaschig nachkontrolliert. Auf den Schichtbildern des Kernspintomographen (MRT) erkennt Dr. Süss dann, ob sich der Knorpel in der Bandscheibe regeneriert hat.

Info:
Etwa 60 Prozent der Bundesbürger sind im Laufe ihres Lebens mindestens einmal wegen Rückenschmerzen arbeitsunfähig. Grund hierfür ist in etwa fünf bis zehn Prozent der Fälle ein Bandscheibenvorfall. Bandscheibenvorfälle können jeden treffen – vom Spitzensportler bis zum Bewegungsmuffel. Es gibt keine eindeutige genetische Vorbelastung. Dauerhafte Fehlbelastungen, Übergewicht, aber auch Rauchen führen zu einem etwas höheren Erkrankungsrisiko. Etwa jeder zehnte Patient mit einem symptomatischen Bandscheibenvorfall muss sich einer Bandscheiben-Operation unterziehen, um seine Beschwerden dauerhaft zu verlieren.

Kontakt
DRK Kliniken Berlin | Westend
Zentrum für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie
Leitender Arzt
Priv.-Doz. Dr. med. Olaf Süss
Spandauer Damm 130
14050 Berlin
Tel.: (030) 3035 - 4260
Fax: (030) 3035 - 4269
E-Mail: o.suess@drk-kliniken-berlin.de