Lungen-Chefarzt Dr. Schmidt zu der Wirkung von Ekel-Bildern auf Zigarettenpackungen.

Berlin, 23. August 2016

Mehr als 90 Prozent der Männer, die an Lungenkrebs leiden, sind oder waren Raucher. Bei Frauen sind etwa 65 Prozent der Lungentumore auf das Rauchen zurückzuführen. Diese erschreckenden Zahlen zwangen die EU zu handeln, heraus kam die Tabakrichtlinie.


Chefarzt PD Dr. med. Bernd Schmidt

Die vieldiskutierte EU-Tabakrichtlinie forderte die Zigarettenhersteller dazu auf, die Produktion ihrer Verpackungen spätestens zum 20. Mai 2016 umzustellen. Seit diesem Tag Ende Mai sind die Hersteller dazu verpflichtet, rund zwei Drittel der Verpackung mit den sogenannten Schockbildern und Warnhinweisen zu versehen. Anstelle des Markenlogos zieren nun Raucherlungen, schwarze Zahnstümpfe oder um das Leben kämpfende Neugeborene zusätzlich zu den bereits bekannten Sprüchen wie „Rauchen kann tödlich sein“ die Verpackungen. Zudem werden Zusatz- und Geschmacksstoffe wie Vanille oder Menthol verboten, auch Deklarierungen wie „mild“ oder „light“ sind nicht mehr erlaubt.

Ein Jahr lang haben die Firmen Zeit, um die restlichen Zigaretten und Drehtabak mit den bisherigen Verpackungen zu verkaufen, spätestens ab Mai 2017 gibt es dann nur noch Einheitsverpackungen mit Schockbildern. Die ersten findet man bereits hinter den Ladentheken. Unumstritten sind sie allerdings nicht. Einerseits werden Zigarren und Zigarillos von der Verordnung ausgenommen, andererseits wird die Wirkung der Bebilderung in Frage gestellt. „Grundsätzlich ist aus Sicht des Lungenarztes alles zu begrüßen, was das Rauchen unattraktiv macht und da gehören die Schockbilder zweifellos dazu. Mir persönlich gefällt schon die Diskussion und Aufmerksamkeit, die durch die Einführung von Schockbildern losgetreten wurde“, findet Privatdozent Dr. med. Bernd Schmidt, Chefarzt der DRK Kliniken Berlin | Mitte, Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Pneumologie und Schlafmedizin. Der Fachmediziner ist spezialisiert auf die Behandlung von Lungenkranken. Schmidt gibt aber auch zu bedenken: „Es ist unklar wie groß der tatsächliche Effekt abschreckender Werbung ist, aber Hinweise aus der Anfangsphase der Einführung in Australien gehen in die Richtung einer gewissen, wenn auch geringen Wirksamkeit.“

So mancher Kettenraucher könne sich sogar durch die Schockbilder bevormundet fühlen und zu einer Trotzreaktion nach dem Schema „jetzt erst recht“ neigen, so Dr. Schmidt weiter. „Auch das schlimmste Schockbild wird den langjährigen Kettenraucher nicht von der nächsten Zigarette abhalten“. Eine abschreckende Wirkung auf den jungen Noch-nicht-Raucher könne es dennoch geben.

Kontakt
DRK Kliniken Berlin | Mitte
Klinik für Innere Medizin - Schwerpunkt Pneumologie und Schlafmedizin
Chefarzt PD Dr. med. Bernd Schmidt
b.schmidt@drk-kliniken-berlin.de
Tel.: (030) 3035 6305/06
Drontheimer Straße 39-40
13359 Berlin