Klassentreffen

Berlin, 05. November 2015

Das 24. Kardiologische Seminar im Westend war eine Hommage an die Kardiologie und an den Chefarzt der Kardiologie, Dr. Ralph Schoeller, der dieses Fachgebiet fast ein Vierteljahrhundert geprägt hat.



Chefarzt Dr. med. Ralph Schoeller


Im frisch renovierten, strahlend weiß getünchten und mit neuer Technik ausgestatteten Hörsaal ist nahezu jeder Sitzplatz besetzt. Es ist mehr als ein Symposium, das an diesem Mittwoch, dem 4. November 2015 abends dort stattfindet. Es ist ein Klassentreffen aller wichtigen Kardiologen der Stadt und darüber hinaus, man könnte es auch Familientreffen der Herzgemeinde nennen. Denn jeder kennt jeden und vor allem einen: Dr. med. Ralph Schoeller, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Kardiologie im Westend. Fast 25 Jahre hat Dr. Schoeller die Herzdisziplin im Westend geprägt und zu dem gemacht, was sie ist, eine unverzichtbare Größe im Portfolio des gemeinnützigen Klinikverbundes und in der stationären, kardiologischen Versorgung der Berliner.

Nun liegt aber auch etwas Wehmut in der Luft in diesem krachend vollen Hörsaal, denn es ist das letzte Symposium von Dr. Schoeller. Im kommenden Jahr wird der Internist in den Ruhestand gehen. Doch bis es soweit ist, wird zurückgeschaut, auf fast 25 Jahre Schoeller und fast 25 Jahre Kardiologie. Mit dem Thema "Herzinsuffizienz nach Myokardinfarkt" am 31. Oktober 1992 hatte die Serie der kardiologischen Symposien damals im Herbst angefangen. So lautete der Titel des ersten Symposiums und nicht nur an den Titeln der Fachveranstaltungen, sondern auch am Layout der Flyer hat sich im Laufe der Jahrzehnte einiges geändert, wie Dr. Schoeller beim Run durch die Jahre demonstrierte.

Mit einer entzückenden Hommage bedankte sich Dr. Schoeller bei seinem Team und den Kollegen: „Ich verdanke jedem von Ihnen wesentlich mehr, als ich Ihnen zurückgeben kann.“

Die Entwicklung der interventionellen Kardiologie zu skizzieren, das war nun der Part von Professor Dr. med. Tassilo Bonzel. Und wer hätte gedacht, dass die Anfänge 1847 bei einem Pferd durchgeführt wurden, dem ein Rohr in eine Arterie gesteckt wurde. Von dort bis zu einem Nobelpreis auf dem Gebiet vergingen nochmal mehr als 100 Jahre. Auch die Nachsorge der Patienten hat sich gravierend verändert. Verordnete man früher einem Herzinfarktkranken sechs Wochen strikte Bettruhe und sechs Monate striktes Arbeitsverbot wird heute Mobilisierung gepredigt.

Die Geschichte der Kardiologie ist aber nicht nur eine Story von Erfolgen und Sensationen, sondern auch von Unglücken, Todesfällen, Infarkten. Wie dicht Erfolg und Nichterfolg oft beieinander liegen, darüber referierte Dr. Schoeller in seinem Vortrag. Dabei ging es um Medikamente, die nicht die gewünschten Erfolge erzielten, um Therapien und um herzchirurgische Eingriffe, die wieder ad acta gelegt wurden.

Wie die kardiologische Zukunft in der Diagnostik und Therapie der nächsten Jahre aussehen wird, damit befasste sich Professor Dr. med. Matthias Pauschinger, Chefarzt in Nürnberg. Er schlug den Bogen von den bildgebenden Verfahren bis zu den modernsten Gefäßstützen, die sich neuerdings in Luft auflösen können. Wie sinnvoll ist jedes Verfahren und wann sollte es angewendet werden? Darüber diskutierte die Herzgemeinde immer wieder lebhaft.

Der Papst der Rhythmologie, Professor Dr. med. Gerhard Hindricks, Chefarzt im Herzzentrum Leipzig, beschrieb, was sich so tut und tun wird in der Elektrophysiologie. Sehr faszinierend sind die neuen Mapping-Systeme, mit deren Hilfe die Elektrik des Herzens deutlich dargestellt werden kann.

Das letzte Referat an diesem Abend hielt der Meister der Statistik, Professor Dr. Karl Wegscheider – ein sehr anspruchsvoller Vortrag. Dabei wurde deutlich, dass die Aussagefähigkeit von Studien oft begrenzt ist und der Vergleich von Studien nur bedingt möglich ist. Eine tatsächliche Analyse von Studien hängt nämlich sehr vom Studiendesign ab.

Nach diesem umfangreichen Wissensinput war es Zeit zum gemütlicheren Teil und Get-together überzugehen. In der Aula im Bildungszentrum für Pflegeberufe warteten kulinarische Köstlichkeiten auf die vielen Kardiologen, der Abschluss des 24. Kardiologischen Seminars zum Thema „Kardiologie im Wandel der Zeit.