Junge Menschen auf das ungewohnte System vorbereiten

Berlin, 18. November 2013

Zum Auftakt des 2. Deutschen Kongresses für Transition, der am vergangenen Freitag und Samstag (15. und 16. November) bei uns im Westend stattfand, begrüßte Kongresspräsidentin Dr. med. Silvia Müther Gäste und Referenten.

Oberin Doreen Fuhr, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin e.V.

Oberin Doreen Fuhr, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin e.V.

Schirmherren der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin (DGfTM), Bahnchef Dr. Rüdiger Grube

Schirmherren der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin (DGfTM), Bahnchef Dr. Rüdiger Grube

Das Team des Berliner TransitionsProgramm v.l.n.r. Dr. med. Silvia Müther, Prof. Dr. med. Walter Burger, PD Dr. med. Arpad v. Moers, Jana Findorff

Das Team des Berliner TransitionsProgramm v.l.n.r. Dr. med. Silvia Müther, Prof. Dr. med. Walter Burger, PD Dr. med. Arpad v. Moers, Jana Findorff

„Die Transition von chronisch kranken Jugendlichen in die Erwachsenenmedizin betrifft viele junge Menschen mit sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern“, stellte unsere Kinderärztin gleich zu Beginn klar. Die Transition, der Übergang, ist ein länger andauernder Prozess, der Vorbereitung, Wechsel und eine Zeit des Ankommens benötigt, so die Ärztin. Dr. Müther skizzierte das TransitionsProgramm, dass von unseren Fachmedizinern in Kooperation mit dem IGES-Institut entwickelt wurde und zunächst Jugendlichen mit Diabetes und Epilepsie nun aber auch Jugendlichen mit anderen chronischen Erkrankungen angeboten wird. Immer mehr entwickelt sich das Berliner TransitionsProgramm zum Erfolgsmodell, das in immer mehr Bundesländern zum Einsatz kommt und von immer mehr Krankenkassen finanziert wird.

Besonderen Dank sprach Frau Dr. Müther der DRK-Schwesternschaft Berlin und der Geschäftsführung der DRK Kliniken Berlin für die Unterstützung des Kongresses und bei der täglichen Arbeit in der Klinik aus.
Oberin Doreen Fuhr, Vorsitzende der DRK-Schwesternschaft Berlin e.V., skizzierte in ihrer Begrüßungsrede, wie schwer die Kindheit von Hedwig von Rittberg, der Gründerin der ersten Rotkreuz Schwesternschaften war, denn auch sie litt an einer chronischen Erkrankung. Trotz ihres eigenen Handicaps schuf sie eine bedeutsame Einrichtung. Am Beispiel von Hedwig von Rittberg werde aber deutlich, wie wichtig es sei, Versorgungslücken zu schließen. Denn 40 Prozent der Kinder und Jugendlichen leben mit verschiedenen Erkrankungen. „Wir wollen und wir müssen die jungen Menschen begleiten und wollen sie auf das für sie ungewohnte System vorbereiten“, betonte Oberin Fuhr.

In Anspielung auf den Schirmherrn der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin, Bahnchef Rüdiger Grube, scherzte Professor Walter Burger, Leiter des Diabeteszentrums für Kinder und Jugendliche im Westend, dass sich viele darum kümmern, Menschen von einem Punkt zu einem anderen zu bringen. Allerdings müsse dieses Angebot auch finanziert werden.
Burkard Rodeck, Sprecher des Konvents für die fachliche Zusammenarbeit des DGKJ betonte zu Beginn seines Referats, wie wichtig das Thema Transitionsmedizin ist. Studien belegen, dass etwa 17 Prozent der Kinder einen besonderen Betreuungsbedarf haben. Er lobte das Berliner TransitionsProgramm als indikationsübergreifendes Strukturkonzept. Leider ist die Transition bisher nicht im Sozialgesetzbuch V, der „Finanzierungsbibel“ der Mediziner, abgebildet. Deshalb bleibt den Akteuren oft nichts anders übrig, als durch Einzelverträge oder integrierte Versorgungsverträge mit Krankenkassen ihre Leistungen zu finanziert.

Wie man es schafft, aus einem Pflänzchen einen Baum werden zu lassen, aus einer kleinen Initiative eine bundesweite Bewegung, das demonstrierte Andreas Podeswik, indem er anschaulich schilderte, wie die sozialmedizinische Nachsorge in Deutschland implementiert wurde. Seit 20 Jahren gibt es inzwischen den „Bunten Kreis“, so der Name der Initiative und inzwischen gibt es 80 Bunte Kreise, also 80 Mitglieder, in der ganzen Bundesrepublik.

Von Seiten der Kostenträger schilderten anschließend Dr. Susanne Klein (TK) und Beatrix Thomas (AOK Nordost), welche Maßstäbe die Kassen an die Finanzierung solcher Projekte wie das der Transitionsmedizin legen. So stehe nach wie vor das Wirtschaftlichkeitsgebot an erster Stelle. In der Überzeugung, dass solche Programme wie das TransitionsProgramm notwendig sind und Jugendliche beim Übergang betreut werden sollten, um Abbrecherquoten zu vermeiden und Folgeerkrankungen zu verringern, finanzieren diese beiden Kassen - wie auch andere - das Berliner Projekt. Allerdings können die Kassen aus Datenschutzgründen ihre Versicherten nicht auf solche Projekte hinweisen, die Öffentlichkeitsarbeit für die Programme müssten die Ärzte vor Ort übernehmen.

Ohne das IGES-Institut hätte es das Berliner TransitionsProgramm vielleicht nie gegeben, betonte Professor Burger und leitete damit über zu Hans-Dieter Noltings Vortrag vom Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), der die Arbeit von IGES vorstellte.

Nach einer intensiven Diskussionsrunde, in der viele Fragen von den Teilnehmern an alle beteiligte Redner gestellt wurden, konnte Frau Dr. Müther den Schirmherren der Deutschen Gesellschaft für Transitionsmedizin (DGfTM), Bahnchef Dr. Rüdiger Grube, im Hörsaal begrüßen. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn empfindet es persönlich als seine Pflicht, an Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu denken und zu unterstützen. Gerade junge Erwachsene, die schon als Kind eine besondere Herausforderung durch ihre Krankheit bewältigen müssen, benötigen Unterstützung beim Übergang in die bedeutendste Phase des Lebens, so Dr. Grube. Der Begriff „Transition“ sei weitgehend unbekannt, aber Krankheiten wie Diabetes, Rheuma, Epilepsie kennt jeder. Das Bewusstsein für die Jugendlichen, die mit chronischen Erkrankungen Erwachsen werden – schärft die DGfTM, so Dr. Grube in seinen Begrüßungsworten. Mit Hilfe des Kongresses können Wege aufgezeigt werden, wie diese komplexe Herausforderung gestaltet werden kann – den Übergang geplant gestalten, um Fehl- und Unterversorgungen zu vermeiden und jugendliche Patienten in einer spezialisierten Betreuung zu halten – diesem Hilfsansatz kann gar nicht genug gewürdigt werden. Daher möchte sich die Deutsche Bahn für die engagieren, die auf direkte Unterstützung angewiesen sind. Der Bahnmanager Dr. Grube möchte seine Stimme für diese jungen Menschen in unserer Gesellschaft einsetzen, damit sie beim Überqueren der Brücke in die Erwachsenenwelt nicht die Balance verlieren. Daher hat er mit großem Stolz und aus innerer Überzeugung die Schirmherrschaft für die DGfTM übernommen. Der Schirmherr versprach, der Gesellschaft sein Netzwerk zur Verfügung zu stellen und auch politische Wegbereiter von dem Thema zu überzeugen.

Nach dem Grußwort des Schirmherren Dr. Grube diskutierten die Vertreter aus Gesundheitspolitik, Fachgesellschaften, Gesundheitsberufen und von Kostenträgerseite bis in den Abend weiter über strukturelle Lösungsansätze und innovative Transitionsmodelle und tauschten sich rege auf der Projekt-Börse am Samstag aus.

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