Hygiene bei Darmkrankheiten

Berlin, 12. Januar 2012

Chefarzt Professor Reinhard Büchsel


Gut besuchte Fortbildung im Hörsaal Fotos: DRK Kliniken Berlin

Mit der Fortbildungsveranstaltung zum Thema Darmerkrankungen hat die Klinik für Innere Medizin am Mittwoch, den 11. Januar 2012 zugleich ein Jubiläum gefeiert.
Seit 20 Jahren gibt es die Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie an den DRK Kliniken Berlin | Westend, sagte Chefarzt Professor Dr. med. Reinhard Büchsel zur Eröffnung der Veranstaltung im Großen Hörsaal im Westend. Da es eine Fülle von Darmkrankheiten gibt, haben sich die Referenten auf einige Themen konzentriert. Professor Dr. med. Daniel Jaspersen von der Medizinischen Klinik II mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie im Klinikum Fulda, fokussierte sich in seinem Referat auf die Diagnostik und Therapie bei akuten und chronischen Durchfallerkrankungen (Diarrhoe). So sind Durchfallerkrankungen immer noch eine sehr häufige Todesursache. Laut Professor Jaspersen sterben im Jahr fünf bis sechs Millionen Menschen an Diarrhoe. In der Bundesrepublik erkranken im Jahr 41 Millionen Menschen an der Durchfallerkrankung. Entscheidend sei die differenzierte Diagnostik, um die Ursache der Erkrankung zu finden. Neben Infektionen können auch das Kurzdarmsyndrom, eine bakterielle Besiedelung des Darms, ein Reizdarmsyndrom oder Parasiten die Ursache sein. Eine mikrobiologische Diagnostik gibt Aufschluss, um welche Ursache es sich handelt. Vor allem junge und ältere Patienten seien von Durchfallerkrankungen betroffen. Wichtig sei es, den Patienten ausreichend Flüssigkeit und Elektrolyte zuzuführen. Signifikant sei, dass Durchfallerkrankungen meist extrem ansteckend sind. Als Beispiel nannte Jaspersen EHEC. Bereits 100 Erreger reichten aus, damit man sich infiziert. Deshalb sei vor allem auch für das medizinische und pflegerische Personal höchste Hygiene geboten: Handschuhe, Händewaschen, Mundschutz und Desinfektionen seien das A und O.
Privatdozentin Dr. med. Jutta Keller von der Medizinischen Klinik der Israelitischen Klinik in Hamburg sprach anschließend über das Reizdarmsyndrom und die neue Leitlinie S-3. Symptome des Reizdarmsyndroms sind Schmerzen oder Unwohlsein im Bauchraum zusammen mit Veränderungen der Stuhlgewohnheiten. Das Reizdarmsyndrom ist inzwischen nicht mehr als Befindlichkeitsstörung sondern als Krankheit definiert und mit einer besseren Datenbasis untermauert. Für Diskussionsstoff sorgte, dass nur nach einer erfolgten Darmspiegelung (Koloskopie) definitiv von der Diagnose Reizdarmsyndrom gesprochen werden darf nach der neuen Leitlinie.
Professor Dr. med. Wolfgang Kruis von der Inneren Abteilung des Evangelischen Krankenhauses in Kalk referierte zu der Divertikelkrankheit. Divertikel sind Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Die Divertikulitis ist eine Entzündung eines oder mehrerer Ausstülpungen. Divertikel gelten als Zivilisationskrankheit, da sie in Ländern mit hohem Lebensstandard vorkommen. Die Erkrankung kann auch zum Tode führen, laut Kruis. Er rät bei der Diagnostik zum Ultraschall oder zur Computertomographie (CT). Allerdings seien die Ergebnisse nach Operationen nicht immer zufrieden stellend für die Patienten.
Für einen humoristischen Ausklang sorgte der Vortrag von Professor Jaspersen darüber, was TV-Arzt Dr. House hat, was Klinikärzte nicht haben. Die TV-Ärzte hätten den Vorteil, dass sie sich nicht mit Fallpauschalen, Budgets und Ärztemangel herumplagen müssten. Sie könnten exotische Diagnosen stellen und müssten, wie Dr. House, noch nicht einmal freundlich zu ihren Mitarbeitern und Patienten sein. Marburger Medizinstudenten studieren inzwischen sogar die Erkrankungen der TV-Patienten und überprüfen ihre eigene Diagnosesicherheit anhand der Fälle von Dr. House. Allerdings, so Professor Jaspersen, können Arzt-Serien selbst auch die Gesundheit gefährden. Bei zu viel Arztserienkonsum bilden sich einige Zuschauer Erkrankungen ein, die sie gar nicht haben.
Die gelungene Veranstaltung mit den vielen lebhaften Diskussionen war auch nach dem letzten Vortrag nicht vorbei. Viele Ärzte blieben noch zum Austausch und zum gemeinsamen Umtrunk.

Die Adresse der Klinik:
DRK Kliniken Berlin | Westend
Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Gastroenterologie
Spandauer Damm 130
14050 Berlin