Hitze-Tipps für Senioren: Faul sein und viel trinken

Berlin, 29. Juli 2014

Claudia Michligk bei einer Untersuchung


Manuela Gallo

Der Sommer verwöhnt uns mit Temperaturen teilweise über 30 Grad Celsius. Doch die Hitze kann auch belastend sein. Wie gehen betagte und hochbetagte Menschen mit der Wärme um und welche Tipps gibt es? Claudia Michligk, Fachärztin für Allgemeinmedizin, die in der Pflegeeinrichtung der DRK Kliniken Berlin | Pflege & Wohnen Mariendorf tätig ist und Manuela Gallo, Pflegedienstleiterin, geben Antworten:

Frau Michligk, ist die Wärme für die Bewohner von Pflegeeinrichtungen gesundheitsgefährdend? Wenn ja warum? Was passiert mit dem Körper?

Claudia Michligk: Der Körper trocknet förmlich aus und alle Funktionen können davon betroffen sein. Die Sturzgefahr nimmt zu und es können Medikamentennebenwirkungen auftreten, weil die Nierenfunktion nachlassen kann.

Man sagt ja, dass ältere Menschen sowieso schon zu wenig trinken. Was passiert oder was kann passieren, wenn sie bei der Sommerhitze zu wenig trinken?

Claudia Michligk: Der Körper reagiert mit Benommenheit, Kopfschmerzen, Übelkeit und auch Verwirrtheit. Im Prinzip sind alle Organe davon betroffen, besonders das Gehirn und die Nieren.

In der Pflegeeinrichtung der DRK Kliniken Berlin, die gerade vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung mit der Bestnote 1,0 ausgezeichnet wurde, sind derzeit 131 Bewohner untergebracht. Wie animieren Sie Ihre Bewohner, mehr Flüssigkeit zu sich zu nehmen? Gibt es Tricks?

Claudia Michligk: Man fragt nach Vorlieben, das kann auch ein Malzbier sein. Wenn zuckerhaltige Brause gewünscht wird, rückt bei diesen Temperaturen der Aspekt der Gesundheit etwas in den Hintergrund. Am sinnvollsten sind Apfel- oder Traubenschorlen. Nur bei den Diabetikern sollte etwas man auf den Zuckergehalt achten.

Manuela Gallo: Wir klären unsere Bewohner über Risiken auf. Wir verteilen zu diversen Themen Flyer, die für Laien verständlich sind. Wir bieten den Bewohnern ihre Lieblingsgetränke an und versuchen zu erfahren, was sie früher gerne getrunken haben. Außerdem versuchen wir es mit Gesellschaft – man trinkt und isst oftmals viel lieber in der Gemeinschaft. Dementen Bewohnern prostet man auch Mal zu, das kennt man von früher, nach dem Zuprosten trinkt man. Da gibt es noch einige Tricks wie zum Beispiel der Satz: „Würden Sie bitte austrinken, wir müssen das Geschirr abwaschen. Dann kann ich Ihr Glas gleich mitnehmen.“

Gibt es noch anderes zu beachten, beispielsweise bei der Ernährung, bei der Pflege?

Manuela Gallo: Alle Speisen, die mit Flüssigkeit zubereitet sind wie z.B. Eintöpfe, Suppen, Kompott oder Buttermilch bieten zusätzlich Flüssigkeit. Die Haut älterer Menschen benötigt viel Feuchtigkeit, also immer schön cremen. So bleibt sie auch geschmeidig und reißt nicht so schnell ein. Klar, vor Sonne schützen, wie bei jedem anderen auch. Eine Mindestmenge an Flüssigkeit ist immer sehr schwierig zu erreichen, viele ältere Menschen schaffen es einfach nicht, zwei Liter am Tag zu trinken.

Claudia Michligk: Man sollte nicht nur auf die Flüssigkeit, sondern auch auf den Salzgehalt in der Nahrung achten, denn durch das Schwitzen verlieren wir Kochsalz. Also das Tomatenbrot am Abend oder die Suppe am Mittag mal ein bisschen nachsalzen.

Haben Sie sonst noch Ratschläge, vielleicht auch für betagte Menschen, die noch zu Hause leben?

Manuela Gallo: Ja, man sollte möglichst jede Tablette einzeln schlucken, so trinkt man automatisch mehr, wie schon zuvor erwähnt Joghurt, Obst und Kompott enthalten auch viel Flüssigkeit. Selbst Eintöpfe sind bei der Flüssigkeitsaufnahme mit anzurechnen. Jede Stunde mindestens versuchen ein halbes Glas Wasser oder ähnliches zu trinken.

Claudia Michligk: Ausreichend trinken, etwas nachsalzen, faul sein und leichte Kleidung.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt und Adresse der Einrichtung:
DRK Kliniken Berlin | Pflege & Wohnen Mariendorf
Britzer Straße 91
12109 Berlin
Heimleiterin
Ulrike Laschinsky
Tel.: (030) 3035 - 5407
E-Mail: u.laschinsky@drk-kliniken-berlin.de
Pflegedienstleiterin
Manuela Gallo
Tel: (030) 3035 - 5401
E-Mail: m.gallo@drk-kliniken-berlin.de