Herzensangelegenheit

Berlin, 15. September 2015

In den DRK Kliniken Berlin | Köpenick werden Herzpatienten per Telemedizin rund um die Uhr medizinisch betreut.


Chefarzt Privatdozent Dr. med. Christian Opitz und Oberarzt Dr. Sebastian Spencker


Herzunterstützungsgerät


Ausgemusterte Herzschrittmacher

Einen Patienten hat Oberarzt Dr. med. Sebastian Spencker schon mal aus dem Griechenlandurlaub zurückgeholt. Der Defibrillator des Urlaubers hatte eine defekte Sonde. Hätte der Patient lebensbedrohliches Herzkammerflimmern bekommen, hätte sein Gerät ihn nicht retten können. Die Gefahr: plötzlicher Herztod. Der Urlauber brach den Griechenland-Trip sofort ab und bekam in der Klinik eine neue Sonde. Auch die Feuerwehr musste Dr. Spencker, Facharzt für Innere Medizin – Schwerpunkt Kardiologie, schon mal zu einem Patienten nach Hause schicken, weil dessen Herz aus dem Takt geraten war. Möglich wird all dies durch Telemedizin in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Patienten, denen wegen Herzrhythmusstörungen ein Defibrillator oder ein Herzschrittmacher eingesetzt werden muss, können ihr Herz und ihr Herzunterstützungsgerät problemlos elektronisch von dem Klinikarzt überwachen lassen. Jeden Morgen schaut Spencker dafür in seinen passwortgeschützten Computer und sieht sich auf dem Bildschirm die Herzkurven seiner Patienten an. Sind die Kurven auffällig, forscht Spencker nach. Zur Not muss dann auch mal ein Urlaub abgebrochen werden. Schrittmacher werden implantiert, wenn das Herz zu langsam schlägt (Herzschwäche), was zu Schwindelattacken führen kann, erklärt Chefarzt und Privatdozent Dr. med. Christian Opitz. Der Schrittmacher sendet in solchen Fällen über Kabel Impulse ans Herz, schneller zu schlagen. Schwindelattacken und Stürze werden so vermieden. Defibrillatoren, kurz „Defis“ genannt, werden eingesetzt, wenn die Kardiologen bei einem Patienten/in eine Diagnose stellen, die ein hohes Risiko für das Auftreten eines plötzlichen Herztodes vermuten lässt. Das gefürchtete Kammerflimmern beim zu schnell schlagenden Herz kann zum plötzlichen Herztod führen, weil nicht mehr ausreichend Blut in den Körper gepumpt wird. Der Defi gibt in solchen lebensbedrohlichen Situationen eine kleinen Elektroschock ab, damit der Herzmuskel wieder im richtigen Rhythmus und mit voller Kraft pumpt.

Nachts um zwei Uhr, wenn die Patienten schlafen, senden Defibrillator oder Schrittmacher über einen taschenbuchgroßen Apparat, der auf dem Nachttisch steht alle Funktionsdaten in das Kliniknetz. Die Patienten müssen nur den taschenbuchgroßen Überträger neben sich auf den Nachtisch stellen. Der Rest passiert automatisch. Das System funktioniert weltweit. Morgens liest Dr. Spencker dann als erstes die Herzdaten seiner Patienten. Zuvor haben die Patienten eine Datenschutzerklärung unterschrieben. Etwa 80 Herzkranke lassen sich auf diesem modernen Weg in Köpenick medizinisch „überwachen“.

Die Vorteile liegen klar auf der Hand, erläutern Dr. Opitz und Dr. Spencker: Wenn der Schrittmacher oder der Defi kaputt sind, merkt es der Arzt sofort und kann den Patienten rechtzeitig einbestellen. Patienten müssen dadurch nicht mehr so oft zur Nachkontrolle in die Klinik kommen, da sie ja täglich kontrolliert werden. Lebensbedrohliche Situationen können vermieden werden. „Wir können z.B. Erkrankungen wie das Vorhofflimmern, das mit einem hohen Schlaganfallrisiko behaftet ist früher erkennen“, betont Dr. Spencker. Gefördert wird die Telemedizin von der Bundesregierung, die Krankenkassen übernehmen die Kosten bislang nicht.

Kontakt:

DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Klinik für Innere Medizin
Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie
Chefarzt Privatdozent Dr. med. Christian Opitz
Oberarzt Dr. Sebastian Spencker
Tel.: 030 / 3035 - 3318 (Sekretariat)
Fax: 030 / 3035 - 3321
c.opitz@drk-kliniken-berlin.de
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