Glückwunsch zur Verleihung der Professur, Herr Professor Dr. Kahl

Berlin, 19. August 2013

Chefarzt Prof. Dr. med. Stefan Kahl


Professor Kahl bei einer Untersuchung

Dr. med. Stefan Kahl, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin Schwerpunkt Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie, Nephrologie in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick ist eine Professur verliehen worden. Wir gratulieren ganz herzlich!

An welcher Universität sind Sie denn Professor geworden?
Professor Dr. Kahl: Ich bin an der medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zum Professor berufen worden, sozusagen an meiner Heimatuniversität. Dort habe ich studiert und mich 2004, nach verschiedenen Stationen in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt, habilitiert.

Das Wort Habilitation stammt - laut Wikipedia - aus dem Mittellateinischen und bedeutet so viel wie „sich geschickt machen“ oder „sich geeignet machen“. In welchem Bereich haben Sie sich geschickt gemacht? Oder anders gefragt: Zu welchem Thema haben Sie gearbeitet?
Professor Dr. Kahl: In meiner Habilitationsschrift habe ich mich mit der chronischen Pankreatitis beschäftigt, einer speziellen Form der Bauchspeicheldrüsenentzündung. Diese Erkrankung war und ist mein spezielles Arbeitsgebiet. Habilitiert habe ich mich mit Arbeiten zur Diagnostik, zur Klassifikation und zur Verlaufsvorhersage des Krankheitsverlaufes der chronischen Pankreatitis.

Wie sind Sie auf das Thema gekommen?
Professor Dr. Kahl: Mein Lehrer und Mentor, Prof. Dr. med. Malfertheiner, der Lehrstuhlinhaber für Gastroenterologie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, hat mich an dieses Thema herangeführt: Wissenschaftliches Arbeiten zur chronischen Pankreatitis ist vor allem klinisches Arbeiten - also das Behandeln von Patienten - und die genaue Beobachtung der aus dieser Behandlung resultierenden Verläufe. Das liegt mir sehr.

Wie haben Sie die wissenschaftliche Forschung in dem Bereich realisiert?
Professor Dr. Kahl: Ich habe meine wissenschaftliche Arbeit immer neben meiner Tätigkeit als klinisch tätiger Arzt absolviert. Anfangs habe ich mich – weil es eben klinische Forschung ist – auf die Frühdiagnostik der chronischen Pankreatitis fokussiert, dabei gibt es eine faszinierende Verbindung zu meiner endoskopischen Tätigkeit, weil die Endosonographie die Methode ist, mit deren Hilfe es gelingt, die chronische Pankreatitis zum frühestmöglichen Zeitpunkt zu diagnostizieren.
In meiner Arbeitsgruppe wurden außerdem verschiedene Klassifikationen der Erkrankung unter dem Gesichtspunkt untersucht, ob sie Erkrankungsverläufe vorhersagen können, damit man beispielsweise einen geeigneten Zeitpunkt für eine Operation findet.
Und nicht zuletzt haben wir in mehreren großen Studien untersucht, welche Erfolgsaussichten endoskopische Therapieverfahren haben – oder eben nicht haben.

Welchen Nutzen haben die Patienten von Ihrer wissenschaftlichen Arbeit?
Professor Dr. Kahl: Patienten ziehen großen Nutzen aus unseren Untersuchungen: Viele Ergebnisse aus den Arbeiten meiner Arbeitsgruppe haben Eingang gefunden in die aktuelle Leitlinie „Chronische Pankreatitis“, die die deutschen Fachgesellschaften der Gastroenterologen und der Chirurgen im vergangenen Jahr aktualisiert und veröffentlich haben, z.B. hinsichtlich der Bedeutung der Endosonographie für die Diagnostik der chronischen Pankreatitis oder das Patienten mit bestimmten Befunden frühzeitig eine operative Behandlung angeboten werden muss.
Ausdruck der Bedeutung unserer Arbeiten ist auch, dass ich eine der Arbeitsgruppen der Leitlinienkommission koordinieren durfte.

Wie lange haben Sie an Ihrer Habilitationsschrift gearbeitet?
Professor Dr. Kahl: Klinische Forschung ist – glaube ich – immer langwieriger als Forschung im Labor; das werden Kollegen, die eher im Labor arbeiten naturgemäß wahrscheinlich anders sehen. Ich habe von 1996 bis 2004 an den Untersuchungen zu meiner Habilitationsschrift gearbeitet. Seither – und insbesondere seit ich 2006 Chefarzt geworden bin – habe ich weniger Zeit für diese Arbeiten, aber ich verfolge sie weiter.
Ich betreue weiter eine - inzwischen kleiner gewordene – Arbeitsgruppe in Magdeburg, betreue Doktoranden – und mache weiter klinische Forschung.

Wie werden Sie Ihre wissenschaftlichen Studien weiter verfolgen?
Professor Dr. Kahl: Heute habe ich sehr viel weniger Zeit für meine klinischen Forschungsarbeiten, aber ich verfolge sie natürlich trotzdem weiter, wenngleich sich der Schwerpunkt etwas verlagert hat: Heute geht es verstärkt um Endosonographie. Dazu gibt es verschiedene Projekte, auch in Zusammenarbeit mit dem Endosonographieclub Berlin-Brandenburg, die zum Beispiel die Verlässlichkeit der Endosonographie bei verschiedenen Erkrankungen oder die Übereinstimmung der Beurteilung von Befunden durch verschiedene Untersucher betrifft. Das sind ganz spannende Untersuchungen, die wieder für jeden einzelnen Patienten Gewinn bringen können.

Sie haben die hochrangigste Hochschulprüfung absolviert und damit einhergehend eine Lehrbefugnis. Werden Sie an der Universität unterrichten und wenn ja, was bedeutet das für Sie und Ihre Arbeit?
Professor Dr. Kahl: Ich halte seit mehr als 13 Jahren Vorlesungen in Innerer Medizin und klinischer Pharmakologie, ich gebe Seminare und unterrichte Studenten in Praktika und am Krankenbett. Diese Tätigkeiten habe ich bisher kontinuierlich fortgesetzt und werde es auch weiter tun. Die Geschäftsführung unseres Unternehmens unterstützt mich dabei sehr. Die Vorlesungen und Seminare zwingen mich immer wieder, mich mit der mir eigentlich bekannten Materie auseinanderzusetzen, neue Blickwinkel zu finden und ganz besonders auf dem aktuellen Stand zu bleiben. Vieles kann ich aus den Lehrveranstaltungen – insbesondere den Praktika und den Seminaren – für meine tägliche Arbeit mit zurück in unsere Krankenhaus nehmen.

Welche Bedeutung hat der Professorentitel für Sie und für Ihre Arbeit?
Professor Dr. Kahl: Der Titel ist eine Wertschätzung meiner Bemühungen und meiner Forschungsergebnisse; er bedeutet für mich insbesondere auch eine Verpflichtung in Lehre und Forschung weiterhin Engagement zu zeigen. Ich werde kein anderer Mensch sein – aber stolz bin ich immerhin.

Ich bedanke mich für das Gespräch.

Kontakt:

DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Klinik für Innere Medizin
Schwerpunkt Gastroenterologie,
Hämatologie und Onkologie, Nephrologie
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