Geburtstagsparty im Grünen

Berlin, 14. September 2015

Kaufmänische Leitung Patricia Over, Ärztlicher Leiter Dr. med. Ralph Schoeller und Pflegedienstleiterin Martina Parow begrüßen zum Tag der offenen Tür


Die Besucher der Zeltstadt sind zahlreich


Das Bühnenprogramm beginnt mit den Rockhouse Brothers


DRK Rettungswagen mit Intensivstation

„Haben Sie Spaß und viel Freude!“, mit dieser herzlichen Einladung begrüßt Martina Parow, Pflegedienstleiterin in den DRK Kliniken Berlin | Westend am vergangenen Samstag die zahlreichen Besucher in der Aue. Und das haben die Gäste: Spaß und viel Freude an diesem besonderen 111-jährigen Klinikgeburtstag und Tag der offenen Tür im Westend.

Als ob vorher ganz oben bestellt, ist der 12. September ein wunderschöner Spätsommertag und es hat sich gelohnt, dass die Krankenhausleitung nicht zehn, nicht zwanzig sondern 28 strahlend weiße Zelte in den Park hat stellen lassen. So blitzt eine schmucke helle Zeltstadt, verschönert mit dicken, roten Schleifen auf dem grünen Klinikgelände.

Der Ärztliche Leiter Dr. med. Ralph Schoeller verspricht den Gästen zudem eine „bewegte Geschichte“ und begrüßte alle auch im Namen der gesamten Ärzteschaft. Ein „abwechslungsreiches Bühnenprogramm“ avisiert die kaufmännische Leitung Patricia Over. Das beginnt denn gleich sehr schmissig mit den Rockhouse Brothers, der „besten Studioband der Welt“. Die humorvolle Truppe rockt bravourös den Nachmittag. Überhaupt können sich viele Besucher gar nicht losreißen von dem bunten Bühnenprogramm. Gespannt verfolgen die Gäste, wenn RBB-Moderator Raiko Thal den weiten historischen Bogen spannt von den Anfängen der Klinik im Jahr 1904 bis in die Gegenwart.

Doch mindestens genauso interessant ist es, wenn Chefarzt Dr. med. Ralph Schoeller und seine Abteilungsleitung Dagmar Meinhardt berichten, wie das denn heute so ist, auf der Herzstation. Und etwas Medizin-Unterricht gibt es gratis. Die Zuhörer erfahren, dass die Gene eine Rolle spielen, ob man einen Herzinfarkt erleidet oder nicht, aber auch Bluthochdruck, Übergewicht und Rauchen sind Risikofaktoren für unseren Herzmuskel.

In die Herzen der Besucher plaudert sich ebenfalls der preisgekrönte Science Slammer Dong-Seon Chang, der sich bei seinen Zuhörern am Ende charmant bedankt mit dem Satz: „Sie waren tolle Neuronen.“

Auch die Kliniken, die sich in der Zeltstadt präsentieren, haben sich viel einfallen lassen, um die Gäste mit Informationen und Spiel zu locken und zu unterhalten. „Wie viel Zucker steckt in den Getränken?“ fragt das Team der Diabetologie. Und wer hätte bitteschön gedacht, dass in einer Flasche Biobrause Bionade 25 Gramm Zucker schlummern, in einer kleinen Flasche Cola sogar 53 Gramm Zucker. Gleich nebenan erklärt Chefarzt Dr. med. Klaus-Martin Kreusel den Besuchern ausführlich, wie die altersbedingte Makuladegeneration und wie der Graue Star entstehen und was dagegen zu tun ist. Für die jungen Besucher hat der Augenmediziner auch einen Schieltest parat.

Winzig klein ist die Foto-Kapsel, mit der man seinen Dünndarm spiegeln lassen kann. Wer schon immer mal schauen wollte, wie so eine Mini-Kamera aussieht und funktioniert, der hat bei den Gastroenterologen die Chance dazu. In der Endopskopie im Hochhaus, siebter Stock wird sogar bei einer Puppe fachmännisch Hand angelegt und das Innenleben des Dummys per Endoskop betrachtet.

Am Stand der Kardiologie herrscht großer Andrang: Alle wollen die Herzhelfer sehen. Das Klinik-Team hat Defibrillatoren und Schrittmacher auf dem Tisch ausgebreitet. An einer Puppe wird gezeigt, welche Zugänge zum Herzen möglich sind und wie die Abläufe im Herzkatheterlabor sind.

Am Stand des Zentrums für Strahlenmedizin lernt man, dass die Mediziner kleinste Tumore im Kopf bestrahlen können. Für jeden Patienten werden Aufnahmen vom Kopf mit dem MRT und dem CT erstellt und anschließend eine Kopfmaske aus thermoplastischem Material individuell für den Patienten geformt. Fast jeder fällt erst einmal bei den Radiologen rein. Die haben sich nämlich auch etwas Besonders ausgedacht, Flaschen mit unterschiedlichen Flüssigkeiten gefüllt und von diesen Bilder im CT erstellt. Die Besucher sollen raten, welche Flasche zu welchem Bild passt. Eigentlich logisch, dass das durchsichtige Kontrastmittel die weiße Fläche zeigt und nicht die Milch….. Wer alles richtig geraten hat, gewinnt einen geröntgten Brustkorb als Puzzle.

In der Klinik für Anästhesie lernt man viel über Narkosen. „Kokosnuss oder Melone?“ Das ist die alles entscheidende Frage am Stand der Neurochirurgen. Wer beides mal angebohrt hat kann sich ungefähr vorstellen, wie hart der menschliche Schädel sein muss. Ein Junge übt sich unter fachlicher Anleitung erst einmal an der Melone, schafft es schließlich ein kleines Stück Melonendeckel mit dem Bohrer abzulösen. Operation gelungen… Jede Menge Knochen gibt es bei den Unfallchirurgen zu bestaunen. Natürlich nur aus Plastik. Und künstliche Gelenke. Es wird wieder zum Üben angeregt. Schon mal ein Kniegelenk von innen angeschaut? Am Modell ist das gar kein Problem.

Wer seine manuellen chirurgischen Fähigkeiten noch mehr auf die Probe stellen will, kann bei den Chirurgen eine Wunde zunähen. Mit echter Nadel und echtem OP-Faden! Das „Opfer“ – eine aufgeschnittene Banane – wird von Oberärztin Dr. med. Mechthild Hermanns dabei festgehalten. Bei Bedarf kann jedermann nebenan aus einer Bauchhöhle Gummibärchen herausoperieren. Natürlich minimal-invasiv, mit winzigen Schnitten aber großem Kontroll-Bildschirm.

Auf der Bühne ist RBB-Moderator Raiko Thal inzwischen am Ende des Zweiten Weltkrieges angekommen. "Nach Gründung der Freien Universität wird das Westend Universitätskrankenhaus", referiert der versierte TV-Journalist.

Längst Zeit sich zu stärken. Dafür erwartet die Besucher eine große Auswahl: von köstlich gewürzten Grillwürstchen, über Truthahnsteaks, Hot-Dogs bis zu Kuchen und Eis – es bleiben eigentlich keine kulinarischen Wünsche offen. Bei Weitem nicht alle Stände sind bereits besichtigt, also auf geht’s! Es wird weiter geschlendert. Und da entdeckt man auch prominenten Besuch. Der Generalsekretär vom Deutschen Roten Kreuz, Christian Reuter, bummelt mit Familie an den Ständen entlang und ist sichtlich begeistert. Unbedingt möchte er jetzt auch die Klinikstandorte in Mitte und Köpenick kennenlernen, verrät er. Als Botschafterin des Verbandes der Schwesternschaften hat es sich Pressesprecherin Alexandra Heeser nicht nehmen lassen, vorbeizuschauen. Auch Oberin Doreen Fuhr und Geschäftsführer Ralf Stähler genießen den Klinikgeburtstag in der Aue.

Der Förderverein Kunst im Westend zeigt kleine und zugleich große Kunst an seinem Stand in Form von Mini-Skulpturen. Künstlerisch stellt sich auch das Team der Wiegmann Klinik vor, mit vielen von Patienten gefertigten Figuren und Bildern.

Am Stand der Physiotherapeuten erlebt man, was man eigentlich nicht wirklich erleben möchte. Wie es nämlich ist, wenn ein Arm gebrochen ist und dieser dann wieder mit mechanischer Hilfe in Bewegung gebracht wird. Aber gut, dass es ein solches Mobilisierungs-Gerät gibt.

„Was macht eigentlich der Sozialdienst im Krankenhaus?“ Wer sich diese Frage mal beantworten lassen will, ist am entsprechenden Stand bestens aufgehoben. Kinder mit Tiger- oder Schmetterlings-Gesichtern sitzen vor dem Stand der Westend-Kita Kinderland und bemalen mit großer Kreativität ihre persönlichen Jutetaschen. Ein kleiner Tiger-Junge will unbedingt eine Kuh auf seiner Tasche verewigen, ein Schmetterlings-Mädchen findet lachende Blumen viel lustiger.

Bei der Kinder- und Jugendmedizin ist das Team der Neonatologie nach wie vor mächtig stolz, die Anerkennung als Perinatalzentrum Level 1 bekommen zu haben. Da kann man auch mal einen Inkubator zeigen, in dem die kleinen Intensivpatienten ihre ersten Lebenswochen erleben. Nebenan werden bei Bedarf Teddys ins Röntgen geschickt. Das Deutsche KinderUrologieZentrum Berlin (DKUZB) hat sich ebenfalls etwas Tolles ausgedacht: Buttons zum Selbermachen. Das findet großen Andrang und reißenden Absatz.

Von wegen Unterwassergeburt, Geburt am Seil, Geburt in der Liegelandschaft und was es da sonst noch so alles Tolles und Modernes gibt. Die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe hat einfach mal einen Geburtsstuhl präsentiert. So haben Frauen nämlich schon im 16. Jahrhundert ihre Kinder auf die Welt gebracht. Total old fashioned, aber immer noch top-modern.

Ganz neumodisch im besten Sinne geht es am nächsten Stand zu. Hier kann wieder geübt werden, wie es wohl ist, einen Tumor aus einem Eierstock zu operieren. Natürlich wieder per Schlüsselloch-Methode und der Tumor ist zum Glück nur ein Gummibärchen. Zur Belohnung für den ersten gelungenen laparoskopischen Eingriff gibt es neben dem Gummibärchen auch eine Urkunde.

Zum großen Wissens-Quiz hat das Brustzentrum eingeladen: Können auch Männer an Brustkrebs erkranken? Gibt es auch gutartige Gewebsveränderungen der Brust? Und welche Farbe hat eigentlich die Schleife als Symbol für die Solidarität mit Brustkrebsbetroffenen?...

Geschicklichkeitsspiele für Kinder bietet das Zentrum für Schulische und Psychosoziale Rehabilitation (ZSPR). In der Fotobox kann sich jeder sein Andenken mit nach Hause nehmen. Die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie bastelt Wutbälle aus Luftballons und Quarzsand, „falls man mal wütend auf Mutti ist….“

In der Puppenklinik muss ein Teddy herhalten, er bekommt gerade einen Venenzugang für die Narkose. Kunsttherapeut Matthias Glatzel bastelt wieder fleißig einen Zoo aus Papiertieren. Die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin hilft beim Lolly-Basteln.

Inzwischen ist die Aue ein großer, bunter Spielplatz geworden mit herumspringenden Kindern und entspannten Eltern.

Die DRK-Schwesternschaft, Träger der DRK Kliniken Kliniken, hat viel Informatives im Angebot und natürlich darf auch das biz nicht fehlen. Die Schüler und Lehrer des Bildungszentrums für Pflegeberufe informieren fleißig über die Themen Pflegeausbildung und OTA-Ausbildung. Die Unternehmenskommunikation hat – wie bereits in den vergangenen Jahren bestens praktiziert – Broschüren und Poster auf Vordermann gebracht und Besucher mit Flyern versorgt.

Da kann einem schon Angst und Bange werden, wenn der Chefarzt für Mikrobiologie und Hygiene, Dr. med. Johannes Elias, Malaria-Erreger auf das 1000fache vergrößert. Sieht aber spannend aus, so ein Erreger der Schlafkrankheit. Da liegt es auf der Hand, gleich nochmal über eine gute Händedesinfektion zu informieren. Unter Schwarzlicht in der Back Box kann jeder selber testen, wie ordentlich die Handreinigung war.

Science Slammer Dong-Seon Chang erstaunt derweil auf der Bühne mit der Information, dass Ratten – gemessen an ihrer Körpergröße – das größte Gehirn haben. Wer hätte das gedacht?! „Dafür haben wir Menschen den größten Neocortex“, beruhigt der Forscher seine Zuhörer.

Ausgezeichnet wird an diesem besonderen Samstag nun das Engagement von Urs Münch und Angelika Wall. Sie haben mit ihrer offenen Singgruppe nicht nur vielen Patienten und Mitarbeitern viel Freude bereitet, sondern auch das Zertifikat „Singendes Krankenhaus“ erhalten. Herzlichen Glückwunsch!

Eine rollende Intensivstation hatte der Geschäftsführer der Rettungsdienste beim DRK, Heiko Jünger, mitgebracht. Der Rettungswagen ist eine Riesenattraktion.

Und auch im Operationssaal drängeln sich die Besucher. Die jungen Gäste sind so neugierig, dass sie sogar unbedingt in den offenen Bauch schauen und direkt am OP-Tisch stehen wollen. Zum Glück sind Patient und Gedärme nur aus Plastik.

Zum Schluss schickt Raiko Thal alle mit folgenden Worten ins Wochenende: „Ich wünsche Ihnen nicht, dass Sie krank werden. Sollten Sie aber ins Krankenhaus müssen, sind Sie hier in den besten Händen.“ Mehr Lob geht nicht.