Für die Gesundheit der Kinder

Berlin, 20. September 2014

Chefarzt PD Dr. med. Arpad von Moers

Am 20. September 2014 findet der Weltkindertag statt, am 21. September 2014 ist der nationale Tag des Kinderkrankenhauses. Der Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der DRK Kliniken Berlin | Westend, Privat-Dozent Dr. med. Arpad von Moers erläutert, warum kranke Kinder in der Kinderklinik am besten aufgehoben sind.


Warum sollten Kinder in einer Kinderklinik versorgt werden und was zeichnet ein gutes Kinderkrankenhaus aus?
Sowohl die ärztliche als auch die pflegerische Behandlung müssen von speziell dafür ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfolgen. Eine ganze Reihe von Erkrankungen kommt nur im Kindes- und Jugendalter vor, die Ursachen können sich unterscheiden (z.B. Diabetes mellitus Typ I versus Typ II) und der Krankheitsverlauf und die Behandlung können sehr unterschiedlich sein. Zahlreiche Medikamente sind im Kindesalter nicht zugelassen. Es sind genaue Kenntnisse über eine altersgerechte Ernährung, über Impfungen und die Vorsorgeuntersuchungen erforderlich. Sowohl die Physio- und Ergotherapie als auch die logopädische Behandlung bedarf einer speziellen Qualifikation.
In der Neonatologie (Frühgeborenenstation) ist über die medizinische Versorgung hinaus die Unterstützung der Entwicklung einer guten Eltern-Kind Bindung ein wichtiges Anliegen. Neben der Kompetenz des medizinischen Personals sollten Spielzimmer, ein Spielplatzplatz im Freien und Beschäftigungsmöglichkeiten für Jugendliche und eine Elternaufenthaltsraum vorhanden sein. Für schulpflichtige Kinder und Jugendliche sollte altersbezogener Unterricht angeboten werden. Eine phantasievolle Gestaltung der Station ist erstrebenswert und die Eltern sollen bei ihrem Kind übernachten können (rooming in).

Welche Erkrankungen werden in der Klinik für Kinder – und Jugendmedizin in den DRK Kliniken Berlin | Westend in erster Linie behandelt?
Die Klinik ist sowohl ein Krankenhaus der Regionalversorgung für den Südwesten von Berlin, Schwerpunkt Charlottenburg-Wilmersdorf, als auch eine hochspezialisierte Einrichtung in den Bereichen Neonatologie, Diabetologie und Kinderneurologie. In diesen Bereichen nimmt die Klinik überregionale Aufgaben war, sie ist als Zentrum für Diabetes mellitus Typ 1 und als Epilepsiezentrum zertifiziert und ist Teil des Neuromuskulären Zentrums Berlin. Als Krankenhaus der Regionalversorgung behandeln wir die Kinder und Jugendlichen mit dem gesamten Spektrum pädiatrischer Erkrankungen, wobei wir in einigen Spezialgebieten (z.B. Krebserkrankungen, angeborene Herzfehler) die Patienten an die entsprechenden Zentren an der Charité oder das Deutsche Herzzentrum Berlin weiterleiten.

Können Sie Trends erkennen, nehmen bestimmte Erkrankungen bei Kindern zu? Wenn ja welche und warum?
Für die Patienten, die in der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin behandelt werden, trifft dies in erster Linie für die Patienten mit einem Diabetes mellitus Typ 1 zu. Bei dem Diabetes mellitus Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung, die Zunahme entspricht der Beobachtung auch bei anderen Autoimmunerkrankungen. Die Ursache für die weltweit beobachtete Zunahme ist ungeklärt, möglicherweise spielt das immer niedrigere Manifestationsalter dabei eine Rolle.

Welche neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es in der Kinderheilkunde?
Die Kinderheilkunde ist ein sehr großes Fachgebiet, in dem alle Subspezialitäten vertreten sind. Daher gibt es eine Vielzahl von neuen, relevanten Forschungsergebnissen in den verschiedenen Bereichen der Kinderheilkunde, die sowohl die Ursache als auch das Verständnis der Pathophysiologie und die Therapie betreffen. Als Beispiel kann man die Erkenntnisse aus der Molekulargenetik herausgreifen. Bei zahlreichen Erkrankungen konnte die genetische Ursache geklärt werden. Dies hat direkten Eingang in die Diagnostik gefunden. Die genetische Charakterisierung spielt bei einigen Erkrankungen bereits auch für die Therapieplanung eine Rolle. Die rasante technische Entwicklung erlaubt – deutlich früher als erwartet – eine detaillierte Analyse des gesamten Genoms eines zur Klärung der genetischen Ursache einer Erkrankung.

Für die Eltern ist es sicher eine schlimme Situation, wenn ein Kind so krank ist, dass es ins Krankenhaus muss. Welche Ratschläge können Sie den besorgten Eltern geben?
In den meisten Fällen können wir glücklicher Weise die Eltern dahingehend beruhigen, dass ihr Kind zwar krank aber nicht bedroht ist. Dies ist besonders bei den Eltern Neugeborener von großer Bedeutung. Allen Eltern, die es wünschen und deren Kind nicht auf der Neonatologie/Intensivstation liegt, können wir anbieten, bei ihrem Kind zu übernachten. Die Eltern werden ermuntert ihre Fragen aufzuschreiben, um sie in den Visiten nicht zu vergessen. In besonders belastenden Situation steht ein Psychologin zur Verfügung.
Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik ist es wichtig, sich das Erleben der Eltern zu vergegenwärtigen, das nicht unbedingt etwas mit den medizinischen Fakten zu tun hat. Ein gutes Beispiel dafür ist der erste Fieberkrampf. Die Eltern sind schockiert, häufig haben sie zu Hause befürchtet, dass ihr Kind stirbt. Aus medizinischer Sicht handelt es sich um eine häufige, ungefährliche Erkrankung, die routiniert versorgt wird. In Überforderungssituationen und bei ausgeprägten Symptomen können Eltern eine stationäre Aufnahme durchaus auch als erleichternd und entlastend erleben.

Was bedeuten der Weltkindertag und der Tag des Kinderkrankenhauses für Sie, für Ihre Arbeit?
Beide Ereignisse bieten die Möglichkeit, das Thema „Kindergesundheit“ einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bei dem Weltkindertag stehen in vielen Ländern die Grundbedürfnisse wie ausreichende Nahrung, zumutbarer Wohnraum und eine medizinische Basisversorgung im Vordergrund, der Tag des Kinderkrankenhauses sollte bei uns dafür genutzt werden die unzureichende Finanzierung der Kindermedizin deutlich zu machen, die dazu führt, dass sich eine Kinderstation oder Kinderklinik wirtschaftlich nicht lohnt/unattraktiv ist – ein erstaunliches Phänomen in Anbetracht der demographischen Entwicklung.

Vielen Dank für das Gespräch!

Kontakt:
DRK Kliniken Berlin | Westend
Klinik für Kinder- und Jugendmedizin
Chefarzt Privat-Dozent Dr. med. Arpad von Moers
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Fax.: (030) 3035 – 4459
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