Einladung: Marktplatz Diabetes am 14. November in Mitte

Berlin, 12. November 2012

Chefärztin Dr. med. Sybille Wunderlich
Foto: DRK Kliniken Berlin


Etwa sieben Millionen Bundesbürger leiden an Diabetes. Um über die Volkskrankheit zu informieren, lädt die Chefärztin der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Diabetologie und Angiologie der DRK Kliniken Berlin | Mitte, Dr. med. Sybille Wunderlich anlässlich des Weltdiabetestages am Mittwoch, den 14. November 2012 von 14 Uhr bis 17 Uhr in die DRK Kliniken Berlin | Mitte ein.  Im Interview berichtet die Chefärztin, über die Erkrankung Diabetes und darüber, was Besucher in der Klinik  an der Drontheimer Straße 39–40 in 13359 Berlin erwartet . Sie sind herzlich willkommen!

Die DRK Kliniken Berlin | Mitte werden am Weltdiabetestag am 14. November einen Marktplatz Diabetes ab 14 Uhr veranstalten. Was erwartet die Besucherinnen und Besucher an diesem Tag in der Klinik?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Wir möchten die Gäste unserer Veranstaltung einladen, sich im persönlichen Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Klinik, den Diabetes- und Ernährungsberaterinnen, den ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern über die Möglichkeiten der Diagnostik, aber auch die Vorsorge- und Behandlungsoptionen zu informieren. Es gibt Informationen über gesunde Ernährung, die Vermeidung von Übergewicht im Kindesalter und über die medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten der Zuckerkrankheit. Während der Veranstaltung können Kurzvorträge besucht werden und man kann im persönlichen Gespräch Fragen loswerden. Ein Stand unserer Kooperationspartner wird auch speziell Informationen über gesundes Schuhwerk bei Diabetes- und Nervenschäden und über die präventive medizinische Fußpflege bei Diabetes anbieten. Wir freuen uns darauf, mit unseren Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Was zeichnet die Abteilung für Diabetologie und Angiologie an den DRK Kliniken Berlin | Mitte aus?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Der Diabetesschwerpunkt in den  DRK Kliniken Berlin |  Mitte bietet für Patienten mit stationär behandlungsbedürftigen akuten Komplikationen ihrer Diabeteserkrankung spezifische ärztliche und beraterische Fachkompetenz an. Ein besonderer Behandlungsschwerpunkt stellt die Erkrankung des diabetischen Fußsyndroms dar, die sich durch eine enge Zusammenarbeit zwischen Diabetologen, Gefäßmedizinern, Chirurgen, Interventionsradiologen, aber auch dem Orthopädieschuhtechniker und dem Podologen auszeichnet. Dazu gehört auch die enge Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Hausärzten und Diabetologen sowie den Wundpflegediensten. Dafür engagieren wir uns.

Was unterscheidet eigentlich den Typ 1 von dem Typ 2 Diabetiker?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Das sind zwei ursächlich sehr unterschiedliche Erkrankungen, die gemeinsam haben, dass der Blutzuckerspiegel über den Normalbereich ansteigt, wenn keine Therapie erfolgt. Unterschiede bestehen u. a. im Erkrankungsalter und in der Ursache der Erkrankung: Typ 1 Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, d.h. der Körper entwickelt Antikörper gegen Zellen der Bauchspeicheldrüse, so dass die körpereigene Produktion des lebenswichtigen Hormons erlischt. Beim Typ 2 Diabetes wird zumindest in den ersten Jahren genug eigenes Insulin produziert, es kann aber nicht ausreichend wirken. Dieser Prozess ist häufig mit Übergewicht, Fetteinlagerung in der Leber und Entzündungsprozessen in den Blutgefäßen verbunden.

Welche Risiken haben Patientinnen und Patienten, die an Typ 1 oder Typ 2 Diabetes erkrankt sind?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Eine Diabeteserkrankung hat per se ein erhöhtes Risiko für Folgeerkrankungen, wenn es nicht gelingt, den Blutzucker innerhalb gewisser Therapieziele einzustellen und ebenso weitere Parameter, z. B. den Blutdruck.

Warum ist das so wichtig?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zu leiden und schließlich auch früher als stoffwechselgesunde Menschen an diesen Erkrankungen zu sterben. Damit meine ich z. B. an einem Herzinfarkt zu erkranken, einen Schlaganfall zu erleiden oder Durchblutungsstörungen der Beinarterien zu bekommen. Diese können dann, gerade auch in Kombination mit einer Empfindungsstörung an den Füßen – wir nennen das diabetischer Nervenschaden/Neuropathie – zu Problemen an den Füßen führen.

Darüber hinaus ist ein langjährig unbefriedigend eingestellter Diabetes mit dem Risiko von Netzhautproblemen, also Gefahren für die Sehfähigkeit, verbunden und ebenso mit dem Risiko einer eingeschränkten Nierenfunktion, die leider im Verlauf auch bis zur Dialyse führen kann.

Werden Patientinnen und Patienten, die an Typ 2 Diabetes erkranken, immer jünger?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Ja, mit der Zunahme der Zahl der übergewichtigen jungen Menschen nimmt auch die Zahl der Diabeteserkrankungen an Typ 2-Diabetes zu.

Sind Süßigkeiten für Zuckerkranke tabu?

Dr. med. Sybille Wunderlich:  Von Tabu möchte ich nicht sprechen und wir wissen auch, dass alles, was verboten ist, umso mehr reizt. Deswegen würde ein Tabu auch nicht helfen. Aber Haushaltszucker, Honig, der Traubenzucker im Obst, süße Getränke können den Blutzucker erhöhen, deswegen müssen Menschen mit Diabetes sehr bewusst und sparsam damit umgehen. Süßigkeiten in Mengen sind ohnehin, ganz unabhängig von der Zuckerkrankheit, nicht besonders gesund.

Welche Lebensmittel sind für Diabetiker besonders geeignet?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Menschen mit Diabetes brauchen keine speziellen Lebensmittel, sondern sollten sich genauso gesund, ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, wie stoffwechselgesunde Menschen auch. Besonders günstig wirken sich Lebensmittel mit hohem Ballaststoffgehalt aus, weil sie helfen, den Blutzucker konstant zu halten und satt machen.

Müssen Diabetiker eine spezielle Diät einhalten?

Dr. med. Sybille Wunderlich:  Diese Frage habe ich eben schon vorweg gegriffen. Nein, eine spezielle Diät wird nicht empfohlen. Bei Übergewicht und Typ 2-Diabetes ist es sinnvoll, den Energiegehalt der Ernährung zu reduzieren, dabei hilft reichlich Gemüse, weil es Ballaststoffe enthält, die satt machen bei einem geringen Energiegehalt. Die Ernährungsempfehlungen unterscheiden sich wirklich nicht von denen, die für uns alle gelten: Gesund und abwechslungsreich essen, mit Genuss und Aufmerksamkeit, aber in Maßen.

Wie sieht die aktuelle Therapie bei Zuckerkranken aus?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Typ 1-Diabetes behandelt man nach wie vor mit Insulin, das unter die Haut gespritzt wird. Da gibt es verschiedene Therapieregime und auch verschiedene Möglichkeiten, das Insulin zu spritzen. Sei es mit einer Insulinpumpe oder mit Insulinpens. Bei Typ 2-Diabetes spielen eine regelmäßige körperliche Bewegung, mindestens fünf Mal wöchentlich eine halbe Stunde, so dass man leicht ins Schwitzen kommt und die Normalisierung des Körpergewichtes eine sehr große Rolle. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Medikamenten in Tablettenform, die individuell, je nach Lebensumständen, Begleiterkrankungen und schon vorhandener Komplikationen ausgewählt werden. Im Verlauf der Erkrankung wird häufig eine Kombinationsbehandlung aus verschiedenen Medikamenten, darunter auch Insulin, erforderlich. Neben der Behandlung des Diabetes ist die Einstellung des Blutdrucks häufig auch mit Medikamenten und die Verordnung eines cholesterinsenkenden Medikamentes wichtig, um das Risiko der o. g. Folgeerkrankungen zu vermindern.

Gibt es neue Therapien?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Es gibt für die Behandlung des Typ 2-Diabetes einige neue Wirkstoffe, die den Blutzucker senken, aber nicht mit dem Risiko von Unterzuckerungen verbunden sind. Darüber hinaus können sie eine Gewichtsabnahme begünstigen. Das ist ein sehr interessanter Ansatz in der Behandlung des Typ 2-Diabetes. Einige weitere neue Wirkstoffe werden derzeit intensiv beforscht oder stehen vor der Zulassung. Neu ist aber auch der internationale Konsens darüber, dass die Entscheidung für eine Behandlungsform gemeinsam von Patient/in und Arzt/Ärztin individuell getroffen werden muss im Hinblick auf das Behandlungsziel und dem Abwägen der Risiken und des Nutzens der Behandlung.

Welche Rolle spielt der Weltdiabetestag für die Erkrankten, die Ärzte, die Forschung?

Dr. med. Sybille Wunderlich: Der Weltdiabetestag ist seit 2007 ein offizieller Tag der Vereinten Nationen. Er wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO und der internationalen Diabetesfederation (IDF) als weltweiter Aktionstag eingeführt, um in der Bevölkerung die Aufmerksamkeit für die globale Zunahme der Erkrankung zu schärfen. Der 14. November wird in vielen Ländern dafür genutzt, um mit Aktionen, Aufklärungskampagnen und Informationsveranstaltungen möglichst viele Menschen zu erreichen, sowohl Betroffene und ihre Angehörigen, Mitarbeiter aus Gesundheitsberufen, aber auch Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft, um im Hinblick auf die Gesundheitsgefahren durch Diabetes und seine Folgen hinzuweisen.

Vielen Dank für das Gespräch.

>> Hier finden Sie das Programm der Veranstaltung.

Kontakt:
DRK Kliniken Berlin | Mitte
Drontheimer Straße 39 - 40
13359 Berlin
Dr. med. Sybille Wunderlich
Chefärztin der Klinik für Innere Medizin
Schwerpunkt Diabetologie und Angiologie
Tel.: (030) 3035 - 6645
Fax.: (030) 3035 - 6649
E-Mail: s.wunderlich@drk-kliniken-berlin.de