„Die kranken Gefäße umgibt eine Menge Mensch“

Berlin, 15. September 2015

Dr. med. Matthias Mende ist seit dem 1. August 2015 Chefarzt der Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie an den DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Im Interview verrät er die neuesten Trends in der Gefäßchirurgie.


Chefarzt Dr. med. Matthias W. Mende


Als Gefäßchirurg kümmern Sie sich unter anderem darum, verstopfte Gefäße wieder durchgängig zu machen oder geplatzte oder erweiterte Gefäße abzudichten. Sie machen also das „menschliche Rohrsystem“ wieder frei – salopp formuliert. Was reizt Sie daran und welche Fähigkeiten braucht man dafür?

Dr. med. Matthias W. Mende: Das Interessante an der Gefäßchirurgie ist die Vielfältigkeit dieses Faches. Man sollte internistische Erfahrung haben, aufgrund der vielen Nebenerkrankungen unserer Patienten. Das Operieren hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend in Richtung minimal-invasiver Verfahren entwickelt und die Operateure haben vollständig neue Methoden erlernt. Chronische Wunden erfordern ein modernes Wundmanagement.
Ein sehr großer Vorteil ist, dass wir die kranken Gefäße der Patienten heute minimal-invasiv meistens ohne offene Operationen behandeln können. Das ist viel schonender für die Patienten, es erspart ihnen Narkosen, sie haben kaum Narbenbildungen und somit auch keine Wundheilungsstörungen der Operationswunden. Ein weiterer Vorteil: vor allem für Patienten, die viele Nebenerkrankungen haben ist es gut, dass sie bei der Operation nur eine lokale Betäubung brauchen. Der Vorteil von einem Gefäßchirurgen ist hierbei, dass trotzdem die „alten, offen-chirurgischen Methoden“ noch beherrscht werden und wir dem Patient das für ihn beste Verfahren anbieten können.
Es gibt heutzutage eine riesige Palette an Möglichkeiten für einen Gefäßchirurg, Gefäße sehr schonend mit modernster Technik zu behandeln. Die Geräte tragen so futuristische Namen wie „Hawk-one“, „Volcano“, Jetsream, Turbo-Tandem oder „Rotarex“. Die Apparate können mit Laser oder winzigen, rotierenden Messern (oder Bohrköpfen) Plaques oder Verkalkungen in den Gefäßen an den Innenwänden abfräsen. In kleinen Netzen sammeln sich die abgetragenen und nicht abgesaugten Ablagerungen und man kann sie so sicher aus dem Gefäßsystem entfernen. Es gibt mit Medikamenten beschichtete Gefäßstützen (Stents), oder, jetzt schon hauptsächlich in der Kardiologie verwendet, Gefäßstützen, die partiell aus Magnesium bestehen und sich nach etwa neun Monaten wieder auflösen. Man kann Ausweitungen der Gefäße in fast allen Körperregionen mit „bezogenen Gefäßstützen schienen und so das Platzen und Verbluten verhindern.

Warum verstopfen unsere Gefäße überhaupt?

Viele Menschen bewegen sich zu wenig, ernähren sich zu kalorienreich, essen zu viel Fett und Zucker, Rauchen und trinken zu viel Alkohol. Das alles greift unseren Körper an. Wir leben zu gut. Das gesamte Organsystem wird durch diesen ungesunden Lebenswandel in Mitleidenschaft gezogen. Hinzu kommt, dass der Mensch vor 100 Jahren nur 40 oder 50 Jahre alt wurde und oft an Infektionserkrankungen verstarb. Heute werden wir über 80 Jahre alt und auf so eine Lebenserwartung sind unsere Gefäße anscheinend oftmals gar nicht eingestellt.
Um diese kranken Gefäße herum gibt es eine Menge Mensch, wobei mir hier nun meine Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu Gute kommt. Ich versuche deshalb nicht nur das Problem der Gefäße zu behandeln, sondern auch die Begleiterkrankungen, die solch ein Patient mitbringt.

Welche neuen Trends gibt es in der Gefäßchirurgie und was möchten Sie in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick etablieren?

Zu den neuen „Trends“ gehören die minimal-invasiven, für die Patienten sehr schonenden Operationsmethoden, die ich gerade beschrieben habe. Zudem werden wir Gefäßtage durchführen, die von unserer Fachgesellschaft empfohlen werden, um gemeinsam mit den niedergelassenen Allgemeinmedizinern bei den Köpenickern Untersuchungen der Bauchschlagader und anderer Gefäßregionen anzubieten. Es gibt viele Patienten, die mit offenen Beinen seit vielen Jahren herumlaufen und die eigentlichen Ursachen wie Thrombosen durch Beckensporn sind nicht behoben. Das möchten wir ändern.

Welches medizinische Spektrum decken Sie sonst noch ab?

Wir möchten den ganzen Menschen behandeln, mit seinen oft vielfältigen Nebenerkrankungen. Man kann als Gefäßchirurg das kranke Gefäß behandeln, wenn der Patient aber zudem zuckerkrank ist, Bluthochdruck hat oder mangelernährt ist, muss auch das behandelt werden. Auch eine moderne, feuchte Wundtherapie gehört zur Behandlung unserer Patienten, die oftmals auch chronische Wunden haben.

Seit dem 1. August 2015 sind Sie Chefarzt der Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie (Gefäßchirurgie) an den DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Warum haben Sie sich für die DRK Kliniken Berlin als Arbeitgeber entschieden und was zeichnet den Klinikstandort im grünen Köpenick Ihrer Meinung nach aus?

Dieser Klinikverbund lässt mir zum Glück für die Patienten eine große Entscheidungsfreiheit bezüglich der Operationsmethoden und Materialien, die ich dafür verwenden möchte. Dies ist längst nicht an allen Kliniken so. Zudem ist der Standort Berlin ein großes Plus für mich, da meine Familie schon länger hier lebt. Ich bin früher immer eine weite Strecke gependelt, sodass ich es oft nicht mehr abends nach Hause geschafft habe. Der Klinikstandort Köpenick ist sehr gut aufgestellt, verfügt über weitreichende medizinische Fakultäten, wie Mikrobiologie, Pathologie, Radiologie und über Ernährungsberaterinnen etc, mit denen ich gut zusammenarbeiten möchte. Das Zusammenspiel zwischen den Ärzten und der Schwesternschaft funktioniert offenbar auch sehr gut. Ich bin bisher fast ausschließlich auf änderungswillige, freundliche Mitarbeiter gestoßen, die sehr offen gegen über den neuen Methoden sind, die mein Oberarzt Oliver Urs von Haxthausen und ich mitgebracht haben. Besonders gespannt bin ich auf die in Planung befindliche neue Angiographieanlage, die die minimal-invasive Arbeit nochmals verbessern und erleichtern wird.

Worauf freuen Sie sich?

Mein Ziel ist es, mehr Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu erhalten, z.B. durch Verhinderungen der Auswirkungen eines Schlaganfalls oder Vermeidung der drohenden Amputation. Ich freue mich auf die Professionalität dieser Klinik und darauf, das Spektrum in der Gefäßchirurgie noch mehr zu erweitern.

Vielen Dank für das Gespräch.

Kontakt:

DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Klinik für vaskuläre und endovaskuläre Chirurgie
Chefarzt Dr. med. Matthias W. Mende
Gefäßzentrum Berlin- Süd
Tel.:(030) 3035 – 3357
Fax: (030) 3035 – 3356
m.mende@drk-kliniken-berlin.de
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