"Der neue MRT hat eine enorme Bildqualität"

Berlin, 20. September 2012

Chefärztin Dr. med. Kerstin Westphalen kümmert sich um eine Patientin im MRT


Viele diagnostische Möglichkeiten durch die neue Technik


Chefärztin Dr. med. Westphalen und Chefarzt Professor Dr. med. Robert Stingele (Klinik für Neurologie) begutachten Bilder
Fotos: DRK Kliniken Berlin

Seit zwei Wochen ist der neue 1,5 Tesla Magnetresonanztomograph (MRT) nun in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick in der Radiologie in Betrieb.
Wie sind Ihre Erfahrungen, Frau Dr. med. Westphalen?
Dr. med. Kerstin Westphalen, Chefärztin des Instituts für diagnostische und interventionelle Radiologie an den DRK Kliniken Berlin | Köpenick: Ich freue mich jeden Tag, wenn ich die Bilder sehe. Das neue Gerät hat einfach viel mehr Möglichkeiten.
Welche Möglichkeiten?
Dr. med. Westphalen: Wir können zum Beispiel bei Patientinnen die Brust untersuchen und zugleich kleine, verdächtige Gewebeproben während der Untersuchung entnehmen. Gleiches ist bei Leberuntersuchungen möglich. Es gibt auch Veränderungen, so genannte Läsionen, die man im neuen MRT sieht, die aber mit alten herkömmlichen Apparaten nur zu erahnen waren.
Wie viele Patienten sind bereits im neuen MRT untersucht worden?
Dr. med. Westphalen: In der ersten Woche waren es 50 Patienten, in der zweiten Woche ebenfalls 50. Das ist bereits ein toller Erfolg, weil wir dachten, dass wir viel mehr Zeit für die Umstellung brauchen würden. Wir mussten ja alles neu programmieren und die Mitarbeiter mussten sich erst an das neue Gerät gewöhnen. Wir untersuchen sämtliche Körperregionen mit dem MRT: Brust, Gelenke, Gefäße, Herz, Oberbauchorgane, Darmdiagnostik und sogar ein Ganzkörper-MRT ist möglich.
Welche Erkrankungen haben die Patientinnen und Patienten?
Dr. med. Westphalen: Die Patienten haben zum Beispiel Schlaganfälle, sind an Multipler Sklerose erkrankt, leiden an Wirbelsäulenerkrankungen, Nervenschädigungen, Lähmungen. Zudem können wir die Gefäße der Patienten darstellen, ohne die Patienten einer Strahlenbelastung oder einer invasiven Angiographie aussetzen zu müssen. Auch stellt das Ganzkörper-MRT eine sehr gute Möglichkeit dar, onkologische Patienten besser zu diagnostizieren.
Was ist noch besonders an dem Magneten?
Dr. med. Westphalen: Der MRT ist viel größer und bietet mit 70 Zentimeter Durchmesser viel mehr Platz, ist somit auch für Menschen mit Platzangst geeignet. Kinder lassen sich in dem Gerät viel besser untersuchen und brauchen gar keine vorherige medikamentöse Betäubung mehr. Die schöne Beleuchtung im Raum in Rot, Blau und Grün vermittelt eine angenehme Stimmung. Früher sind die Patienten quasi in ein dunkles Loch geschoben worden. Der Raum, in dem der neue MRT steht, ist sehr hell und freundlich.
Durch das schnellere Gerät haben wir jetzt mehr Zeit, um noch zusätzliche Untersuchungen machen zu können und eine noch genauere Diagnostik. Auch müssen wir die Patienten jetzt nicht nochmal auf einer Liege zwischenbetten, sondern können sie sofort auf den abkoppelbaren Tisch legen, auf dem sie auch in den MRT geschoben werden. Das hat vor allem bei Intensivpatienten gravierende Vorteile, weil sie nur noch einmal umgebettet werden müssen und so geschont werden.
Haben Sie und Ihr Team auch eine Einweisung erhalten?
Dr. med. Westphalen: Ja, wir sind von der Firma geschult worden. Die Herstellerfirma hat außerdem eine Hotline geschaltet, die wir jederzeit für eine teleradiologische Unterstützung anrufen können.
Und, macht das Arbeiten jetzt noch mehr Spaß?
Dr. med. Westphalen: Wir werden jeden Tag überrascht von der enormen Bildqualität! Wir sehen jetzt Dinge, die wir vorher nur erahnen konnten oder gar nicht gesehen haben. Es gibt technisch ganz neue Sequenzen.
Das klingt, als ob das auch ein Gebiet für die Forschung wäre. Nehmen Sie an Studien teil?
Dr. med. Westphalen: Wir müssen unsere Erfahrungen mit den neuen technischen Möglichkeiten machen und wollen diese auch im Rahmen von Studien bzw. Veröffentlichungen anderen Kollegen nahebringen.
Wird der alte MRT noch betrieben?
Dr. med. Westphalen: Ja, übergangsweise haben wir den alten MRT noch im Betrieb gelassen.
Für welche Patienten ist denn der neue MRT nicht geeignet?
Dr. med. Westphalen: Durch den Magnetismus, auf dem die Bilddarstellung basiert, sollten keine Patienten mit Herzschrittmacher in den MRT geschoben werden. Der Schrittmacher könnte aus dem Takt und Patienten in Lebensgefahr geraten. Auch Patienten, die Gefäßclips erhalten haben, sollten nicht in den MRT. Gleiches gilt für Patienten mit Insulin-Pumpen. Wer seine Haut hat tätowieren lassen, läuft Gefahr, dass sich evtl. kleinen Eisenpartikel (nicht in allen Tätowierungen enthalten) in der Tätowier-Farbe erwärmen. Das kann zu Hautverbrennungen und Brandnarben führen. Auch Piercings und andere Metalle müssen vor einer solchen Untersuchung entfernt werden. Wir raten frisch operierten Implantierten wie Hüft- oder Kniepatienten davor ab, sich darin untersuchen zu lassen. Die Prothesen könnten sich lockern.
Gibt es eine Möglichkeit, bei Patienten, die zum Beispiel bewusstlos sind oder nicht sprechen können, zu prüfen, ob sie Metall am oder im Körper tragen?
Dr. med. Westphalen: Ja, und darauf bin ich auch stolz. Wir haben – ähnlich wie am Flughafen – einen Metalldetektor. Damit kann man problemlos jeden Patienten scannen und wenn es piepst und das Metall ist nicht am, sondern im Körper, dann darf derjenige nicht in den MRT.
Vielen Dank für das Gespräch

Kontakt: DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie
Chefärztin Dr. med. Kerstin Westphalen
Salvador-Allende-Straße 2 - 8
12559 Berlin
Tel.: (030) 3035 - 3798
E-Mail: k.westphalen@drk-kliniken-berlin.de