Der Mann fürs Herz

Berlin, 25. August 2016

Iskandar Atmowihardjo, neuer Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick spricht über therapierte Herzkranzgefäße und seinen beruflichen Start als Krankenpflegehelfer.


Chefarzt Iskandar Atmowihardjo

Es ist etwas größer als eine Faust und schlägt normalerweise so lange wir leben – das Herz. Für die einen ist es ein lebensnotwendiger Muskel, der Blut durch unseren Körper pumpt, für andere ist es der Sitz der Seele. Was ist das Herz für Sie, Herr Atmowihardjo?

Iskandar Atmowihardjo: Das Herz ist der Motor unseres Körpers, der das ganze Leben funktionieren muss und sich keine Auszeit leisten kann. Das Herz muss weiterschlagen, auch wenn es krank ist. Ein gebrochener Arm wird eingegipst und ruhig gestellt. Das Herz kann man nicht abschalten. Unsere Aufgabe als Kardiologen ist, das kranke Herz, das aber weiter schlagen muss, gesund zu machen. Das macht den Beruf des Kardiologen so spannend.

Sind Sie deshalb Kardiologe geworden?

Ursprünglich wollte ich Herzchirurg werden, weil ich im Alter von zwölf Jahren zufällig eine Dokumentation über den Texaner Michael E. DeBakey gesehen habe. Er war ein Pionier in der Herzchirurgie und war maßgeblich an der Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine und des Kunstherzens beteiligt. Ich war beeindruckt von diesem Mann – u.a. weil er im OP blaue Cowboystiefel an hatte! Heute überlagern sich Herzchirurgie und interventionelle Kardiologie. Wir Kardiologen kooperieren mit Herzchirurgen – in unserem Fall mit dem Deutschen Herzzentrum Berlin und der Charité, zum Beispiel, wenn wir Patienten mit komplexen Herzkranzgefäß- Veränderungen, Aorten- und Mitralklappenerkrankungen behandeln. Wir arbeiten in fächerübergreifenden Teams zusammen: Kardiologen, Herzchirurgen, Radiologen und andere. Das ist nötig, denn Patienten haben heute oft viele unterschiedliche Erkrankungen, sodass auch die Therapie fächerübergreifend abgestimmt sein muss, um den Patienten optimal zu helfen.

Sie sind seit Mai 2016 neuer Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Sie gelten als Experte in der Behandlung komplexer Herzkranzgefäßerkrankungen, insbesondere der Eröffnung chronischer Herzkranzgefäßverschlüsse. Wie behandeln Sie solche Erkrankungen und was umfasst ihr medizinisches Spektrum sonst noch?

Ich bin Internist und Kardiologe und habe mich auf die interventionelle Kardiologie spezialisiert. Ich implantiere Herzschrittmacher, Defibrillatoren und behandele Verengungen der Herzkranzgefäße mittels unterschiedlicher Herzkathetertechniken. Unter anderem habe ich mich auf die Wiedereröffnung von chronischen Herzkranzgefäßverschlüssen spezialisiert. Etwa 20 Prozent der Patienten, die eine koronare Herzkrankheit haben, haben auch chronische Verschlüsse der Herzkranzgefäße. Diese Patienten leiden z.B unter Luftnot, Brustschmerz und Müdigkeit. Die Behandlung verhilft den Patienten wieder zu mehr Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Ferner habe ich mich auf die Therapie degenerativer Herzklappenerkrankungen konzentriert. Früher haben ausschließlich Herzchirurgen defekte Herzklappen operiert. Heute kann ein Teil der Patienten schonend minimal-invasiv von Kardiologen und Herzchirurgen im Team behandelt werden. Ebenso können wir heute die hochgradige Schlussunfähigkeit der Mitralklappe (Mitralklappen-Insuffizienz), die bei den Betroffenen zur Abnahme der alltäglichen Belastbarkeit durch Luftnot führt, ohne den Brustkorb chirurgisch zu eröffnen, behandeln. Diese Therapieform ist Patienten vorbehalten, die durch das Vorliegen zusätzlicher Erkrankungen ein hohes Operationsrisiko hätten. Hier ist die von uns durchgeführte kathetergestützte, minimal-invasive Mitralklappenrekonstruktion mit Mitralclip eine gute Therapieoption. Ein weiteres Verfahren, das wir anbieten ist der Verschluss des Vorhofohres bei Patienten mit Vorhofflimmern. Vorhofflimmern ist die häufigste Herzrhythmus- störung und nimmt im Alter zu. Hierbei ist die normale Kontraktion der Vorkammer gestört. Dadurch können sich insbesondere im sogenannten Herzohr – einer „Ausbuchtung“ der Herzvorkammer – gefährliche Blutgerinnsel bilden. Gelangen solche Gerinnsel ins Gehirn, kommt es zum Schlaganfall. Konsequenzen sind Lähmungen oder auch der Tod. Zwar kann die Einnahme sogenannter Gerinnungshemmer diese Gerinnsel häufig verhindern, aber die Hälfte der Patienten mit Vorhofflimmern kann wegen verschiedener Nebenwirkungen und wegen des erhöhten Blutungsrisikos diese Therapie nicht erhalten. Die Alternative, die wir anbieten, ist der minimal-invasive Vorhofohrverschluss: Durch das Implantieren eines Schirmchens, der in Kathetertechnik über die Leistenvene ins Herz vorgebracht wird, kann das Vorhofohr verschlossen werden und die Patienten brauchen später nur noch Aspirin einzunehmen.

Was haben Sie sich darüber hinaus vorgenommen?

Die interventionelle Kardiologie wird gestärkt. Wir werden einen zweiten Linksherzkathetermessplatz einrichten, in dem dann neue und zusätzliche diagnostische und interventionelle Prozeduren möglich sind. Wichtig ist eine enge Zusammenarbeit mit den anderen Abteilungen unseres Hauses, innerhalb unseres Klinikverbundes mit den Kollegen in Westend und Mitte, Kooperationen regional und über Berlin hinaus und natürlich die Kooperation mit den niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen. Hier möchten wir die gewachsenen Strukturen weiter pflegen und ausbauen u.a. auch durch Fort- und Weiterbildungen.

Was tun Sie eigentlich für Ihr Herz?

Ich fahre viel Rad und ich spiele leidenschaftlich gerne Gitarre. Fast wäre ich Gitarrist geworden, bin aber letztendlich froh, dass ich mich für die Medizin entschieden habe.

Sie haben vor Ihrer Karriere als Mediziner vier Jahre als Krankenpflegehelfer gearbeitet. Inwieweit profitieren Sie als Chefarzt von dieser beruflichen Erfahrung?

Diese Phase hat erheblich dazu beigetragen zu verstehen, was in der Krankenpflege täglich geleistet wird und welchen immensen Beitrag die Kolleginnen und Kollegen dort für die Genesung unserer Patienten beisteuern. Es wäre wünschenswert, wenn jeder Arzt vor seiner ärztlichen Tätigkeit lernen müsste, Menschen zu waschen, ihnen beim Essen zu helfen, sie zu pflegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Herzstück des Menschen

Es ist das zentrale Pumporgan des menschlichen Körpers: das Herz. Bei einem Erwachsenen wiegt es etwa 300 Gramm, schlägt 70 Mal pro Minute, 100.000 Mal am Tag. Bei einem Baby schlägt das Hohlorgan sogar 130 Mal pro Minute. Der Muskel pumpt in Ruhe pro Minute ca. fünf Liter, bei körperlicher Anstrengung 20 bis 25 Liter Blut durch den Körper und versorgt die Organe mit Sauerstoff. Blut, das zum Herzen fließt, wird als venöses, vom Herzen weg als arterielles bezeichnet. Das venöse Blut transportiert in den Organen entstandenes Kohlendioxid in die Lunge wo es abgeatmet wird. Gleichzeitig nimmt das Blut in der Lunge Sauerstoff auf und wird damit „arteriell“. Das sauerstoffangereicherte „arterielle“ Blut wird dann vom Herz in den Körperkreislauf gepumpt. Das Herz besteht aus zwei Hälften, die durch die Herzscheidewand getrennt sind.

 

Vita

Iskandar Atmowihardjo (57), seit dem 1. Mai 2016 neuer Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie in Köpenick, war zuletzt 16 Jahre Oberarzt der Abteilung für Kardiologie und konservative Intensivmedizin am Vivantes-Klinikum am Urban. Er hat seine Wurzeln in Berlin, ist hier zur Schule gegangen und hat an der Freien Universität Berlin Medizin studiert. Iskandar Atmowihardjo ist mit einer Intensivkrankenschwester verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

 

Kontakt 

DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Klinik für Innere Medizin — Schwerpunkt Kardiologie und Angiologie
Chefarzt Iskandar Atmowihardjo
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