Blutabnehmen statt Büffeln

Berlin, 08. Juli 2015

In den DRK Kliniken Berlin, die akademische Lehrkrankenhäuser der Charité – Universitätsmedizin Berlin sind, werden Medizinstudenten in ihrem praktischen Jahr (PJ) ausgebildet.


Valentina, David und Luise


Luise bei der Patientenaufnahme


David legt einen Venenzugang


PJler in den DRK Kliniken Berlin | Westend

Ein Mann mittleren Alters sitzt im Jogginganzug auf seinem Krankenbett, er ist erst vor kurzem auf der Station angekommen. Das Haar ist schon etwas licht und er wirkt erschöpft. Er hat eine kleine Reisetasche dabei, die er noch nicht ausgepackt hat. Die Tür geht auf, Luise Kunsch kommt ins Zimmer und begrüßt den Patienten freundlich. Sie holt sich einen Stuhl und setzt sich neben das Bett, auf ihrem Schoß liegt die dicke Patientenmappe. „Wie geht es Ihnen? Was haben Sie für Beschwerden?“, fragt sie den Patienten interessiert. Luise Kunsch, 28, ist Medizinstudentin im praktischen Jahr und arbeitet zurzeit auf der Gastroenterologie in den DRK Kliniken Berlin | Westend. Die Aufnahme von Patienten ist ein Teil ihrer Aufgaben. „Bei der Aufnahme kann man durch die ausführliche Befragung sehr viel lernen und gleichzeitig die Ärzte in ihrer Arbeit unterstützen“, erklärt David Boës, 27, der dazu gestoßen ist und wie Luise als PJler auf der Station tätig ist. Der Patient erzählt von seinen Schmerzen, die ihn um den erholsamen Schlaf gebracht haben. Luise fragt nach seiner Krankengeschichte, Medikamenten¬einnahmen und vorrangegangen Operationen. Sie hört aufmerksam zu und macht viele Notizen.

„Hier wird man richtig in den Klinikalltag miteinbezogen“, berichtet David. „Morgens spricht die Assistenzärztin Carla Dinshaw immer mit mir den Tagesablauf durch, sagt mir, welche Aufgaben ich übernehmen kann und integriert mich bei Entscheidungen.“ Vor der Gastroenterologie hat David sein Wahltertial in der Anästhesie der DRK Kliniken Berlin | Westend verbracht und ist bislang begeistert. Die DRK Kliniken Berlin seien als akademisches Lehrkrankenhaus unter Medizinstudenten sehr beliebt, berichtet er.

Luise und David teilen sich, wie heute bei der Aufnahme, öfters die Aufgaben auf. „Wann genau wurden Sie das letzte Mal operiert?“, fragt Luise den Patienten. Der Patient überlegt kurz und zuckt dann mit den Schultern, sagt, das wisse er nicht mehr genau. Er gibt ihr seine Krankenakten, die sie sich genau durchliest. Der Patient scheint zufrieden zu sein, dass Luise sich viel Zeit für ihn nimmt. Nach der Befragung spricht auch David kurz mit ihm, nimmt dem Patienten dann Blut ab und legt ihm professionell einen Venenzugang.

Danach gehen Luise und David zurück ins Ärztezimmer. Auf dem Gang treffen sie auf PJlerin Valentina Perosa, 24, die gerade vom Blutabnehmen kommt. „Morgens ist es unsere Aufgabe, den Patienten zunächst Blut abzunehmen, manchen muss ich auch Venülen legen, durch die dann Salzlösungen oder Medikamente verabreicht werden“, erzählt Valentina, die eigentlich in Magdeburg studiert und sich die DRK Kliniken Berlin | Westend für ihr Tertial im Bereich Innere Medizin ausgesucht hat. Blutabnehmen gehöre zu den Standardaufgaben eines PJlers. „In den DRK Kliniken Berlin sind die Aufgaben für uns PJler sehr vielseitig“, fügt Luise hinzu. „Es besteht immer die Möglichkeit neben der Stationsarbeit auch bei der Endoskopie (u.a. Spiegelungen des Magen-Darm-Traktes) oder Sonographie (Ultraschall) mitzuarbeiten. Die Ärzte sind alle sehr motiviert, einem etwas beizubringen.“

Im Ärztezimmer herrscht eine angenehme, lockere Stimmung. Luise, David und Valentina scheinen schon bestens integriert zu sein. Ein Arzt kommt herein und scherzt mit ihnen. „Das ist unser PJ-Beauftragter“, erklärt Luise. „Neben unserer praktischen Ausbildung gibt es jede Woche eine interessante Lehrveranstaltung im Bereich Innere Medizin für uns. Der PJ-Beauftragte koordiniert diese und verteilt die Themen an verschiedene Ärzte. In unserer ersten Woche hat direkt Professor Dr. med. Andreas Sturm, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Gastroenterologie, gelehrt.“ David ergänzt: „Das Lehrangebot in den DRK Kliniken Berlin ist sehr gut und umfangreich. Wir können auch immer an den Veranstaltungen der anderen medizinischen Fachbereiche teilnehmen.“ Andere Krankenhäuser würden ihrer Rolle als Ausbilder jedoch nicht so gerecht werden, beklagen die drei. „Das Problem liegt im Aufbau des Gesundheitssystems, vielen Krankenhäusern fehlen die Kapazitäten, den Studenten eine gute Lehre zu ermöglichen. Dies sollte sich unbedingt verbessern, gerade für Berufe die eine solch hohe Verantwortung tragen“, meint Valentina.

Als Ausgleich zum Klinikalltag fotografiert sie leidenschaftlich gerne in ihrer Freizeit, geht öfter mal joggen und fährt gerne Fahrrad. „Manchmal radel ich auch zur Arbeit und genieße die frische Luft und Bewegung.“ Wie alle PJler arbeitet Valentina vier volle Tage die Woche in der Klinik, ein Tag ist für die angehenden Mediziner als freier Studientag vorgesehen. Geld erhalten die Medizinstudenten für ihre Arbeit nicht, umso mehr freuen sich Valentina, Luise und David deshalb über das gratis Mittagessen und die Büchergutscheine, welche die DRK Kliniken Berlin ihren PJlern anbieten. „Das ist einfach eine nette Geste der Wertschätzung und das gratis und leckere Mittagessen entlastet natürlich sehr unseren Geldbeutel“, erklärt Luise.

Info:

Das Praktische Jahr (PJ) absolvieren Medizinstudenten (dann sogenannte „PJler“) am Ende ihres Studiums. Es besteht aus drei Tertialen (je 16 Wochen), einem im Bereich Innere Medizin, einem in der Chirurgie und einem Wahltertial.