Am 28. August 2008 wurde die Luisenlichtung - ein Grabfeld für still geborene Kinder auf dem Luisenkirchhof feierlich eingeweiht

Berlin, 29. August 2008

Ein kunstvoller Gedenkstein markiert dort einen Ort, an dem Eltern und Angehörige trauern können

Von: Angela Kijewski





Seit rund zehn Jahren engagieren sich Ärzte, Hebammen, Schwestern und die Psychologin der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe der DRK Kliniken Berlin | Westend für einen feinfühligen Umgang mit Eltern, die um den Verlust ihres ungeborenen Kindes trauern sowie für eine würdige Bestattung der Tot- oder Fehlgeburten der Klinik in Zusammenarbeit mit der Luisen-Kirchengemeinde Berlin-Charlottenburg. 
Am 28. August 2008 wurde in einem feierlichen Akt ein Gedenkstein aus mehrfarbigem indischen Sandstein dort von der Pfarrerin Strauss eingeweiht und gesegnet.

Zuvor fanden sich in der Kapelle auf dem Luisenfriedhof betroffene Eltern und Mitarbeiter der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfeder DRK Kliniken Berlin | Westend, Hebammen, die Verwaltungs- und Pflegedienstleitung des Westends u.a. zusammen.

Der Kirchhofsverwalter, Herr Höhne, begrüßte alle Anwesenden und Pfarrer Wentz hielt eine kurze festliche Ansprache. Anschließend sprach Chefarzt Prof. Kentnich über den Wandel im Umgang mit Fehl-oder Totgeburten in den letzten zehn Jahren und betonte den hohen Stellenwert einer psychologischen Betreuung von Eltern, deren Kinder nicht leben durften. "Abschied ist nie punktuell sondern immer ein langer Prozess, den wir begleiten müssen. Mit der Luisenlichtung wurde ein würdiger Gedenkort geschaffen, an den die Eltern jederzeit zurückkehren können, Blumen niederlegen und die wenigen Erinnerungen wachrufen".
Frau Fuhr drückte stellvertretend für Frau Oberin Schäfer-Frischmann die Anteilnahme der DRK-Schwesternschaft aus und unterstrich, dass es "für uns von Anfang an selbstverständlich war, das Engagement der Frauenklinik zu unterstützen". Die Schwesternschaft hat den Großteil der Kosten für den Gedenkstein übernommen.

In den Jahren 1998/99 haben Presseberichte über den Umgang mit Fehl- oder Totgeburten, die keiner Bestattungspflicht unterliegen, die Öffentlichkeit in Deutschland aufgeschreckt. Feten mit einem Gewicht unter 1000g wurden zusammen mit dem übrigen Klinikabfall verbrannt und als Schlacke u.a. im Straßenbau verwendet. Als Reaktion wurde durch die Bundesländer festgelegt, dass diese nicht bestattungspflichtigen Embryos und Feten in einem hygienisch einwandfreien und dem sittlichen Empfinden entsprechenden Rahmen zu beseitigen sind.

Die still geborenen Kinder sind eben kein Klinikabfall, sondern Menschen, die nicht leben durften. Die Trauer der Eltern um ihr verlorenes Kind misst sich nicht an Größe oder Gewicht, selbst dann nicht, wenn es sich de facto nur um wenige Zentimeter und Gramm handelt.

In den DRK Kliniken Berlin wird der Mutter und dem Vater darum Gelegenheit gegeben, von ihrem Kind in Ruhe Abschied zu nehmen und, wenn möglich, Erinnerungsstücke wie z.B. Fußabdrücke für sich zu behalten. Vom Team der Geburtshilfe werden die Eltern auch explizit als Mutter und Vater angesprochen und ermuntert, ihrem Kind einen Namen zu geben. Das Angebot zur psychologischen und seelsorgerischen Betreuung der Eltern ist eine Besonderheit in den DRK Kliniken Berlin | Westend gegenüber anderen Krankenhäusern.

Den Eltern stehen bei Tot- oder Fehlgeburten unter 1000g grundsätzlich zwei Möglichkeiten zur Verfügung: sie können ihr Kind individuell bestatten lassen und hierfür ein Bestattungsunternehmen beauftragen – die Kosten liegen bei mindestens 1000 EUR – oder sie entscheiden sich für die Kremierung zusammen mit anderen still geborenen Kindern. Diese werden dann zweimal im Jahr in einer Sammelurne im Rahmen einer Zeremonie beigesetzt und die Eltern dazu eingeladen.

Ein Zitat aus dem Kleinen Prinzen des französischen Schriftstellers, Saint-Exupéry ist im Fuß des Steins eingemeißelt: "Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben."
Die Bildhauerin, Marianne Leisegang, die gleichzeitig bei uns als Hebamme tätig ist und der Künstler Wilfried Christiansen haben das Denkmal geschaffen.
Der runde marmorierte Sandstein mit einem Durchbruch symbolisiert Übergang und Wandel. Der Durchbruch ist nicht ins Zentrum des Steines gesetzt, sondern aus der Mitte gerückt, so wie das Leben der betroffenen Angehörigen durch das Einbrechen der persönlichen Lebensplanung und der tiefen Trauer.

Neben der Berliner Abendschau des RBB, die einen kurzen Beitrag am selben Tag brachte, berichteten zahlreiche Medien über die Einweihung der Luisenlichtung, darunter auch Vertreter der französichen Presse, da in Frankreich aktuell in dieser Woche ein neues Gesetz zum Umgang mit Fehl- und Totgeburten beschlossen wurde.