Aktionstag chronisch entzündliche Darmkrankheiten

Berlin, 19. Mai 2016

Am 19. Mai begehen wir den Tag der chronisch entzündlichen Darmkrankheiten. Dazu sprachen wir mit Dr. med. Ulrich Kleinau, Chefarzt der DRK Kliniken Berlin | Mitte, Klinik für Innere Medizin – Schwerpunkt Gastroenterologie, über die beiden am häufigsten auftretenden Krankheitsbilder.


Chefarzt Dr. med. Ulrich Kleinau


Herr Dr. med. Kleinau, die beiden bekanntesten Erkrankungen sind Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Wie unterscheiden sich die beiden Krankheiten hinsichtlich der Symptome und Diagnose?
Ein typisches Anzeichen für beide Erkrankungen ist Durchfall, zeitweise bis zu zehn bis zwanzig Mal pro Tag, gelegentlich auch mit Blut und Schleim beigemengt. Bei Morbus Crohn ist vornehmlich der Endbereich des Dünndarms (terminales Ileum) betroffen, aber auch Magen und Zwölffingerdarm (Duodenum) können befallen sein. Währenddessen ist für die Colitis ulcerosa eher klassisch, dass der terminale Anteil des Kolons betroffen ist – also das Rektum und das gesamte Kolon befallen sein kann, in der Regel aber nicht den Dünndarm. Es gibt allerdings auch hier einen sogenannten intermediären Befall, bei dem nicht sicher unterschieden werden kann, ob es sich klassisch um einen Morbus Crohn oder eine Kolitis ulcerosa handelt.

Welche Behandlungs- und Therapieformen werden wann angewandt?
Es werden je nach Klinik zunächst entzündungshemmende Medikamente verabreicht zusammen mit sogenannten Probiotika. Bei akuteren Fällen wird auch Kortison indiziert. Ziel der Therapie ist eine schnelle Behandlung und das Erreichen der Remission. In manchen Fällen ist es notwendig, Azathioprin einzusetzen – es handelt sich hierbei um ein Immunsuppressivum. Nach Einsatz dieses Medikamentes müssen regelmäßige Laborkontrollen erfolgen, um die Leberwerte zu kontrollieren. Bei Therapieversagen mit Kortison sollte heute relativ frühzeitig immunsuppressiv behandelt werden. Bei der Colitis ulcerosa mit nur lokalem Befall am Darmende ist eine Therapie mit Zäpfchen oder Einläufen häufig ausreichend.

Wie stehen die Chancen auf ein beschwerdefreies Leben?
Es handelt sich hierbei um chronisch entzündliche Darmerkrankungen – chronisch bedeutet, dass es immer wieder zu Beschwerden kommen kann. Der Darm ist eines der wichtigsten Immunabwehrorgane, so dass eine Remission unbedingt erreicht und Rückfälle vermieden werden müssen. Bei schwersten, zum Teil auch lebensbedrohlichen Fällen ist bei der Kolitis ulcerosa die komplette Entfernung des Dickdarms die einzige Lösung, womit die Kolitis ulcerosa geheilt ist. Allerdings kann darunter die Lebensqualität des Patienten leiden, da nicht selten ein künstlicher Darmausgang die Folge ist. Bei Morbus Crohn sollte jede Operation möglichst vermieden werden.

Gibt es Möglichkeiten zur Prävention? Wenn ja, was kann man tun?
Es sollte jedwede psychische Belastung, beruflich oder privat vermieden werden. Ernährung, Alkohol und Nikotin sind ebenfalls wichtige und zu meidende Faktoren.

Zum Abschluss: Haben Sie noch einen „Geheimtipp“ für Erkrankte?
Aus meiner Sicht ist das Wichtigste, eine ärztliche Vertrauensperson zu haben, die sich mit dieser Erkrankung gut auskennt und den Patienten regelmäßig betreut, um einen neuen Schub rechtzeitig zu erkennen und vermeiden zu können. Zudem sollte eine Psychotherapie der betroffenen Patienten erfolgen, Kontakte zu Selbsthilfegruppen sind ebenfalls sinnvoll und hilfreich.

Ansprechpartner:
DRK Kliniken Berlin | Mitte
Klinik für Innere Medizin - Schwerpunkt Gastroenterologie
Chefarzt Dr. med. Ulrich Kleinau
Drontheimer Straße 39 - 40
13359 Berlin
E-Mail: gastroenterologie@drk-kliniken-mitte.de