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Wie werde ich erwachsen?

Berlin, 09. Februar 2016

Die DRK Kliniken Berlin | Wiegmann Klinik ist die älteste psychosomatische Fachklinik in Deutschland und hilft jungen Menschen auf dem oft steinigen Weg ins Erwachsensein.


Dr. med. I.-Dorothee Kress


„Erwachsenwerden ist gar nicht so einfach, wie man denkt“, erklärt Dr. med. I.-Dorothee Kress, Chefärztin der DRK Kliniken Berlin | Wiegmann Klinik. Wie wird man eigentlich erwachsen und was kann auf dem Weg dahin alles passieren? Das sind Fragen, mit denen sich die Medizinerin seit Langem beschäftigt. Junge Erwachsene mit Reifungsstörungen im Alter von circa 18 bis 25 Jahren bilden einen Schwerpunkt in der psychosomatischen Klinik.

Die Adoleszenz ist eine Zeit des Umbruchs. Neben dem körperlichen Reifungsprozess, wozu auch die Entwicklung eigener und differenzierterer Denkstrukturen gehört, ist sie die Zeit der Identitätsfindung, Loslösung und Persönlichkeitsbildung. Die Rollenveränderung erfordert Anpassung – die vorbehaltlose Anerkennung durch das Umfeld sinkt, während die Verantwortung wächst. Die zahlreichen Herausforderungen, die der Weg zum Erwachsenwerden mit sich bringt, sind leichter mit einer gesunden Selbstsicherheit und der Verlässlichkeit der Ursprungsfamilie zu meistern. Oft fehlt den Patienten, die bei Dr. Kress und ihrem Team Hilfe suchen, genau das. „Am schlimmsten ist es häufig, wenn die Patienten verwöhnt und vernachlässigt zugleich sind“, betont Dr. Kress. „Die jungen Erwachsenen sind materiell verwöhnt, aber emotional unsicher und bindungsängstlich. Wenn die Bindungssicherheit fehlt, sind die Jugendlichen manchmal nicht gut gerüstet, um ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.“

Adoleszente Reifungsstörungen werden heute häufiger diagnostiziert als früher – wieso ist das so? Zum einen hat sich die gesellschaftliche Wahrnehmung verändert. Früher wurden psychische Störungen als ‚peinlich‘ abgetan und verpönt. Zum anderen lässt sich vermuten, dass auch der Einbruch familiärer Grundstrukturen, wie die Trennung der Eltern oder Todesfälle in der Familie, die Unsicherheit verstärkt und die Adoleszenz erschwert. „Es gibt heutzutage zahlreiche Varianten von zwischenmenschlichen Beziehungen, die immer wieder zu Ängsten führen, dass seine Beziehungen nicht verlässlich sind“, erläutert Dr. Kress. „Auch die neuen Medien und die damit verbundenen virtuellen Beziehungen sind für beziehungsgestörte Patienten eine große Gefahr.“ Viele Patienten sind nicht mehr in der Lage, sich real zu unterhalten und so Konflikte auszutragen. Dies führt schnell zu Wut und Frust. In der Klinik gibt es deshalb die Regel: nur eingeschränkte Handynutzung und Fernsehen nur im Gemeinschaftsraum. Gleichzeitig wird interaktives Handeln, auch in der Alltagskommunikation mit anderen Patienten, gefordert. Bei Konflikten trägt oft jeder seinen Anteil. Die eigenen Verhaltensmuster kann der Patient im therapeutischen Umfeld schneller erfassen und verstehen, wodurch ihm schneller und individuell geholfen werden kann.

Für Patienten, die oft schwierige Bindungserfahrungen gemacht und ein wenig haltgebendes Umfeld haben, ist die Beziehungsverbindlichkeit in der Klinik ein wichtiger Ersatz. „Ich kenne jeden Patienten persönlich“, erklärt die Chefärztin. „Das hohe Maß an Verbindlichkeit, das Patienten auch in der intensiven Arbeit mit den Einzeltherapeuten erleben, ist von enormer Bedeutung und wird sehr geschätzt.“ Der Patient findet ein Umfeld vor, in dem er nicht auf sich allein gestellt ist. Die Hoffnung ist, dass ihm dies ermöglicht, seine eventuell schlechten Erfahrungen zu korrigieren. Ziel ist es, den Patienten aus seiner eigenen Isolation zu lösen, so dass er Situationen bessermeistern kann ohne auf seine oft ungünstigen Abwehr- und Schutzmechanismen zurückzugreifen, um ihm so den Schwung zurück ins Leben zu geben.

Ansprechpartner:
DRK Kliniken Berlin | Wiegmann Klinik
Chefärztin Dr. med. I.-Dorothee Kress
Spandauer Damm 130
14050 Berlin
Tel.: (030) 3035 - 5755
Fax: (030) 3035 – 5759
info@wiegmann-klinik.de