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Individuelle Therapien bei Brustkrebs

Berlin, 27. Januar 2012
Dr. Winfried Schoenegg begrüßte die zahlreichen Teilnehmer/-innen

Dr. Winfried Schoenegg begrüßte die zahlreichen Teilnehmer/-innen

Viele Patientinnen, Interessierte und Angehörige besuchte die Veranstaltung des Brustzentrums

Viele Patientinnen, Interessierte und Angehörige besuchten die Veranstaltung des Brustzentrums

Dr. Nadine Pohl sprach über die Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie

Dr. Nadine Pohl sprach über die Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie

Katrin Großer, onkologische Fachkrankenschwester im Brustzentrum Westend, ging auf das Fatiquesyndrom ein

Katrin Großer, onkologische Fachkrankenschwester im Brustzentrum Westend, ging auf das Fatiquesyndrom ein

Oberärztin Dr. Ursula Makowiec beschrieb die Behandlung von Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie  <br>Fotos: DRK Kliniken Berlin</br>

Oberärztin Dr. Ursula Makowiec beschrieb die Behandlung von Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie
Fotos: DRK Kliniken Berlin

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in der Bundesrepublik. Aber gerade bei frühzeitiger Erkennung und Behandlung bestehen gute Heilungschancen. Das zertifizierte Brustzentrum der DRK Kliniken Berlin | Westend hatte deshalb am Donnerstag, den 26. Januar 2012, zu einer Informationsveranstaltung für Patientinnen, Interessierte und Angehörige eingeladen. In der vollbesetzten Aula des Westend eröffnete der Medizinische Direktor des Brustzentrums, Dr. Winfried Schoenegg, die Informationsveranstaltung, die unter dem Titel „Lebensqualität trotz Brustkrebs“ stand.

70 bis 80 Prozent der Frauen, die an einem Mammakarzinom erkranken, überleben die Erkrankung, sagte Dr. Schoenegg. Bei der Behandlung dieses Tumors hat sich in den vergangen 30 Jahren sehr viel getan. Die Therapien sind individueller und schonender geworden. Während man früher eine erkrankte Brust radikal entfernte, wird heute gezielt nur das befallene Gewebe herausgeschnitten. Bei den Lymphknoten achten die Mediziner heute darauf, nur diese zu entfernen, die auch befallen sind. „Das steigert die Lebensqualität der Patientinnen“, sagte Dr. Schoenegg. Auch gelingt es den Medizinern immer besser, die Nebenwirkungen der Behandlungen zu lindern. Letztlich bieten die Mediziner heute eine „individualisierte und personalisierte Therapie an“, sagte der Arzt. Doch die Entwicklung wird noch weiter gehen. In Zukunft könnte es möglich sein, verändertes, bösartiges Gewebe gezielt punktuell zu bestrahlen und somit die Nebenwirkungen für die Frauen noch mehr zu reduzieren.

Über die Behandlung von Nebenwirkungen der Chemotherapie referierte im Anschluss die Stationsärztin des Brustzentrums, Dr. Nadine Pohl. Chemotherapien basieren auf Zytostatika und sollen das Wachstum der Tumorzellen zum Stillstand bringen. Allerdings werden bei einer Chemotherapie nicht nur entartete, sondern auch gesunde Zellen angegriffen. Betroffen sind vor allem die Haarwurzel-, Knochenmark-, Schleimhaut- und Drüsenzellen. Dr. Pohl machte deutlich, dass die betroffenen Frauen auch selbst etwas dafür tun können, dass es ihnen besser geht. Eine positive Grundeinstellung kann helfen, die Chemotherapie besser zu überstehen. „Nicht die Chemotherapie ist der Feind, sondern der Krebs“. Typische Nebenwirkungen der Behandlung sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung.  „Gegen die Übelkeit hilft Ingwertee“, riet die Ärztin. „Vieles schmeckt nur noch nach Pappe“, sagen Patientinnen häufig zu ihr. Sie rät den Betroffenen dazu, auf saure Speisen zu verzichten und wegen der empfindlichen Mundschleimhaut kein geröstetes Toast zu essen. Nach Haarverlust können Perücken, Tücher und Permanet-Make-up helfen. Durch die Chemotherapie werden im Körper die weißen Blutzellen verringert. Dies ist die Schutzpolizei des Körpers, die verhindert, dass man erkrankt. Die so herabgesetzte Immunabwehr gilt es zu beachten.

Viele Patientinnen klagen auch über Gefühlsstörungen und Taubheitsgefühle in den Füßen und Fingern. Auch Störung der Fruchtbarkeit und der sexuellen Lust sind möglich. Konzentrationsschwäche ist ebenfalls ein häufiges Symptom. Zur Überwindung der körperlichen und seelischen Schwäche rät Dr. Pohl zur Bewegung. Auch Schwester Katrin Großer, onkologische Fachkrankenschwester im Brustzentrum im Westend, rät den durch die Therapie erschöpften Frauen zur sportlichen Betätigung. Studien belegen, dass Bewegung einen positiven Einfluss auf die Gesundung der Patientinnen hat. In ihrem Vortrag ging Schwester Katrin vor allem auf das Fatiquesyndrom ein. Der Begriff steht für Erschöpfung und etwa 60 bis 70 Prozent aller Krebspatienten sind davon betroffen. Man unterscheidet zwei Formen: die Erschöpfung durch eine Chemotherapie und das Fatiquesyndrom bei MS-Kranken.

Die häufigsten Symptome sind Lustlosigkeit, Motivationsverlust, Schlafstörungen, Verlust der körperlichen Belastbarkeit. Schwester Katrin rät den Patientinnen, sich selbst Prioritäten zu setzen und sich nicht zuviel auf einmal zuzumuten. „Legen Sie Pausen ein“. Kurze Schlafeinheiten von 30 bis 60 Minuten am Tag können helfen, das selbst gesetzte Pensum zu bewältigen. Auch sollte man eine Mangelernährung vermeiden. Eine gute Balance zwischen Ruhe und Aktivität ist ratsam. Sport, Tanzen und Bewegung insgesamt helfen, die Erschöpfung zu überwinden.

Oberärztin Dr. Ursula Makowiec sprach dann über die Behandlung von Nebenwirkungen der antihormonellen Therapie. „Ich will immer, dass es den Patientinnen besser geht“, sagte die Ärztin. Bei der antihormonellen Therapie haben Mediziner große Erfolge erzielt. „Tumorzellen lassen sich durch die antihormonelle Therapie stoppen.“ Allerdings müssen die Frauen über einen Zeitraum von fünf Jahren Medikamente nehmen und dürfen die Behandlung nicht abbrechen. Hält eine Patientin die Therapie durch, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass erneut ein Tumor auftritt in den ersten fünf Jahren bei 30 Prozent. Ohne antihormonelle Therapie liegt die Wahrscheinlichkeit der Neuerkrankung bei 47 Prozent.  Allerdings ist die Behandlung nicht ohne Nebenwirkungen, die Frauen haben die gleichen Symptome wie in den Wechseljahren und klagen darüber, dass sie sich „wie Hundert fühlen.“ Gegen Symptome wie Haarausfall helfen pflanzliche Mittel. Auch Dr. Makowiec rät den Frauen zum Sport. So bietet auch das Brustzentrum im Westend Frauen regelmäßig Sporttreffen an.

Über die kosmetischen Möglichkeiten bei Brustpatientinnen sprach abschließend der Leiter des Brustzentrums, Dr. Winfried Schoenegg. Heute ist es erklärtes Ziel der Mediziner, eine brusterhaltende Operation durchzuführen. Bei der Wiederherstellung achten die Mediziner darauf, die Form, das Volumen, die Brustwarze und den Brustwarzenvorhof zu rekonstruieren. Die Brust kann mit Haut- und Fettgewebe wiederhergestellt werden oder mit Implantaten. Anhand zahlreicher anonymisierter Beispiele von Patientinnen demonstrierte Dr. Schoenegg die kosmetischen Möglichkeiten der onkoplastischen Therapie.

Im Anschluss an die erfolgreiche Veranstaltung nutzen die vielen Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches mit den Fachleuten des Brustzentrums der DRK Kliniken Berlin | Westend.

Die Anschrift der Klinik:

DRK Kliniken Berlin | Westend
Brustzentrum
Spandauer Damm 130
14050 Berlin
Tel.: 030/3035-0