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Der Fettsucht mit chirurgischen Mitteln zu Leibe rücken
Übergewicht ist eine Volkskrankheit
Chefarzt Professor Dr. Matthias Pross referierte zum Thema Adipositas
Zahlreiche Interessierte, Fachmediziner und Betroffene kamen zu der Veranstaltung Fotos: DRK Kliniken Berlin
Zu dem schwergewichtigen Thema Fettsucht (Adipositas) haben sich am Mittwoch, den 25. Januar ab 18 Uhr zahlreiche Interessierte, Betroffene und Fachmediziner in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick zu einer Fachveranstaltung eingefunden. Auf Einladung des Chefarztes der Klinik für Chirurgie und Leiters des Deutschen Adipositaszentrums Berlin, Professor Dr. Matthias Pross, fand der fächerübergreifende Arbeitskreis mit dem Titel „Krankhafte Adipositas - interdisziplinäre Therapiestrategien“ statt.
Zu Beginn der Dialogveranstaltung referierte Johanna Harksen von der Klinik für Chirurgie der DRK Kliniken Berlin | Köpenick über die Entstehung und Ursachen der Erkrankung. So ist Adipositas inzwischen als chronische Erkrankung anerkannt. Als Richtwert, ob man fettleibig ist oder nicht, gilt der Body-Mass-Index (BMI). Dieser bemisst sich nach der Formel: Gewicht geteilt durch die Körpergröße im Quadrat.
Ist der BMI 30 und größer sprechen Mediziner von einer Adipositas Grad I, bei einem BMI von mehr als 35 klassifizieren sie einen Adipositas Grad II und bei einem BMI von über 40 ist es Grad III. Allerdings, so Harksen, werden in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick auch Patienten mit einem BMI von 60 behandelt. Für die Behandlung dieser Patienten hat die Klinik zum Beispiel Spezialbetten und sehr belastbare OP-Tische angeschafft.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren im Jahr 2005 1,6 Milliarden Menschen übergewichtig und 400 Millionen Menschen adipös. Nach WHO-Schätzungen wird sich diese Zahl aber noch dramatisch steigern und im Jahr 2015 werden etwa 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig sein. Die Ursachen für die Volkskrankheit sind sehr vielfältig, sagte Harksen. Das Essverhalten, eine zu fetthaltige Ernährung und zu wenig Bewegung spielen eine entscheidende Rolle. Die Genetik spielt nur sehr selten eine Rolle. Medikamente können indes auch zu Übergewicht führen.
Ist der tägliche Grundumsatz bei der Nahrungsaufnahme zu hoch, gerät die Waage aus dem Gleichgewicht, brachte Harksen das Problem auf einen allgemein gültigen Nenner. Dramatisch sind auch die Folgeerkrankungen. Jemand, der an Fettsucht leidet, hat oftmals auch Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Schlafstörungen, Atemaussetzer im Schlaf und andere Erkrankungen. Auch die Gefahr von Depressionen und Krebserkrankungen ist höher. „Je höher der BMI ist, umso mehr steigen die Folgeerkrankungen“, sagte Harksen.
In seiner „Kritischen Würdigung der Diabetesbehandlung im Zeitalter der Adipositas“ referierte im Anschluss der niedergelassene Internist aus Marzahn, Dr. Christian Toussaint, seine Erfahrungen aus der Praxis. Adipositas ist ein „wachsendes Problem“, so der Fachmediziner. Auch viele seiner übergewichtigen Patienten leiden unter Folgeerkrankungen wie Diabetes, Stoffwechselstörungen und Krebs. Die Fettsucht ist ein neueres Phänomen und hängt nach Ansicht von Toussaint mit den heutigen Ess- und Lebensgewohnheiten der Menschen zusammen. Zuviel Fastfood, Fernsehen, Computer und zu wenig gesundes Essen und Bewegung führen zu dem gewichtigen Problem. Auch die Sterblichkeit steigt bei zuviel Körpergewicht an. „Der Breitensport muss gefördert werden“, plädierte Toussaint. „Wir leben in einem metabolischen Zeitalter des Bewegungsmangels“, sagt der Arzt. Er rät zur Diät, zum Sport und zu weniger Alkohol. Auch neue Medikamente können helfen, das Gewicht zu reduzieren. Doch manchmal hilft alles das, selbst im Zusammenspiel, nicht mehr, weil das Problem einfach überhand genommen hat.
Diesen Patienten helfen die Chirurgen des Adipositaszentrums der DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Dr. Martin Kemps, Chirurg in der Klinik für Chirurgie der DRK Kliniken Berlin | Köpenick, stellte die operativen Therapiemöglichkeiten der morbiden Adipositas vor. „Es ist eine relativ neue Entwicklung, der Adipositas mit Hilfe der Chirurgie zu Leibe zu rücken“, sagte Kemps. Zu den Operationsmethoden zählen unter anderem das Magenband, der Magenbypass und der Schlauchmagen.
Beim Magenband wird ein Teil des Magens abgebunden, sodass der Patient weniger Nahrung aufnehmen kann, sich aber schneller gesättigt fühlt. Der Nachteil: Patienten können das Verfahren überlisten, indem sie zum Beispiel Sahne trinken oder Speiseeis essen. Auch führt das Mangenband in manchen Fällen zu medizinischen Komplikationen, wenn sich etwa das Band verschiebt. Patienten können durch ein Magenband etwa 40 Prozent ihres Gewichtes verlieren.
Durch einen Magenbypass wird ein Teil des Magens operativ umgangen. Dies ist die häufigste Operation im Adipositaszentrum in den DRK Kliniken Berlin | Köpenick. Dadurch sind noch extremere Gewichtsverluste von 70 bis 80 Prozent möglich. Die Nahrungsmenge, die der Patient noch zu sich nehmen kann, wird extrem reduziert. Der Eingriff kann indes nicht wieder rückgängig gemacht werden.
Bei einem Schlauchmagen wird ein Teil des Magens für immer operativ entfernt und so das Volumen verkleinert. Allerdings, so Dr. Kemps, nehmen die Patienten oftmals nach fünf bis zehn Jahren wieder zu, da sich der Magen wieder weitet. Zudem kann es an der langen Naht zu Komplikationen kommen. Aber eine erneute Verkleinerung des Magens ist möglich.
In der Regel reduzieren sich nach solchen chirurgischen Eingriffen auch die Folgeerkrankungen wie Diabetes und Bluthochdruck. Die Gefahr der Sterblichkeit durch eine solche Operation ist im Vergleich zu der erhöhten Mortalität durch Fettsucht gering, sagte Dr. Kemps. Eine schwedische Studie, an der 2.000 Patienten teilnahmen, hat zudem ergeben, dass chirurgisch behandelte Adipositaspatienten das Gewicht dauerhaft senken.
Trotz der Erfolge genehmigen die gesetzlichen Krankenkassen nicht sofort ohne Weiteres ein solchen chirurgischen Eingriff bei Fettleibigen. Chefarzt Professor Dr. Matthias Pross betonte, dass die Adipositaschirurgie keine Regelleistung der Krankenkassen ist. Jeder Einzelfall wird von den Kassen bewertet, Gutachten werden eingeholt, die Patienten müssen Lebensmitteltabellen führen und so weiter. Dadurch kann es ein halbes Jahr dauern, bis sich ein fettleibiger Patient auf Kosten der Krankenversicherung operieren lassen darf. Lediglich bei einem Body-Mass-Index von 60 entscheiden die Krankenkassen schneller, sagte Professor Pross.
Letztlich, so der Chefarzt Professor Dr. Pross, ist aber auch nach einem chirurgischen Eingriff entscheidend, dass die Patienten ihre Lebensgewohnheiten ändern und zum Genießer von Nahrungsmitteln werden. Zudem bieten die DRK Kliniken Berlin | Köpenick auch Hilfe zur Selbsthilfe an und laden jeden Dienstag Selbsthilfegruppen zum Sport ein, sagte Pross.
Im Anschluss an die sehr gut besuchte Veranstaltung fanden noch rege Diskussionen statt.
Die Adresse der Klinik
DRK Kliniken Berlin | Köpenick
Klinik für Chirurgie
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