Suche

Kontakte

DRK Kliniken Berlin | Köpenick

Brustzentrum

Salvador-Allende-Straße 2-8
12559 Berlin
Wegbeschreibung

Tel.: (030) 3035 - 35 63
Fax: (030) 3035 - 35 61
E-Mail Kontakt

Chefärztin des Brustzentrums

Dr. med. Anke Kleine-Tebbe

Abteilungsleitung

Kerstin Goerlitz

1

Brusterhaltende Operationen

Heute ist es bei den meisten Brustkrebs-Patientinnen möglich, bei einer Operation die Brust zu erhalten. Durch große Studien konnte sicher nachgewiesen werden, dass die brusterhaltende Operation mit anschließender Bestrahlung hinsichtlich des Überlebens keine Nachteile gegenüber der Abnahme der Brust (Mastektomie) aufweist. Eine brusterhaltende Operation kann immer dann durchgeführt werden, wenn eine günstige Relation zwischen Größe des Brustkrebses und dem Volumen der Brust besteht.
In Vollnarkose wird der Tumor vollständig entfernt und bereits während der Operation feingeweblich untersucht (Schnellschnittuntersuchung). Nach der Operation erfolgt eine Bestrahlung der erhaltenen Brust.

Tylektomie

Diese Art der Operation wird im Rahmen einer brusterhaltenden Therapie am häufigsten angewendet. Insbesondere bei kleineren Tumoren erfolgt die komplette Entfernung mit einem mehrere Millimeter breiten Sicherheitssaum. Unmittelbar vor der Entfernung des Tumors ist dieser eindeutig zu markieren, sodass der Pathologe die Schnittränder exakt beurteilen kann.
Ggf. muss nach Eingang der feingeweblichen Untersuchung nachreseziert werden, um den angestrebten Sicherheitssaum von mehreren Millimetern zu erzielen.

Partielle Mastektomie mit Defektdeckung durch Latissimus-dorsi-Muskellappen

Ist der Tumor im Verhältnis zur Brustgröße zu groß, kann unter Umständen mit einer alleinigen Tylektomie kein gutes kosmetisches Ergebnis erzielt werden. In diesem Fall wird der Verlust des Brustgewebes durch einen Hautmuskellappen ausgeglichen (Latissimus-dorsi-Muskellappen). Durch dieses Vorgehen können auch bei größeren Tumoren die onkologischen Aspekte (breite freie Schnittränder) beachtet und trotzdem die Brust erhalten werden.

Onkoplastische Operation

Eine weitere Operationsmethode im Rahmen der brusterhaltenden Therapie sind die onkoplastischen Operationen. Hierbei werden bei großer Brust die verschiedenen Methoden der Reduktionsplastik, also der Verkleinerung der Brust angewendet, um nach Entfernung des Tumors weit im Gesunden die Brust neu zu formen. Dabei richtet sich die Operationsmethode nach der Lage des Tumors in der Brust. Auch nach solchen onkoplastischen Operationen muss die Brust nachbestrahlt werden.

Ablative Operationsverfahren

Ist aus onkologischen Gesichtspunkten die brusterhaltende Operation nicht möglich oder wünscht die Patientin kein brusterhaltendes Vorgehen, so kommen die ablativen Operationsverfahren zur Anwendung, also die Entfernung der Brust. Die Brust kann im Sinne einer Sofort- oder Intervallrekonstruktion entweder während der Operation oder später (Wiederaufbau) ersetzt werden.

Verfahren

  • Modifiziert radikale Mastektomie
  • Hautsparende Mastektomie

Modifiziert radikale Mastektomie

Bei der modifiziert radikalen Mastektomie wird das gesamte Drüsengewebe, die Haut über der Drüse, die Brustwarze und der Warzenhof sowie die Muskelfaszie über dem Brustmuskel entfernt. Die Brustmuskeln selbst bleiben erhalten.

Hautsparende Mastektomie

Eine andere Technik der ablativen Operation ist die hautsparende Mastektomie. Dabei erfolgt die Entfernung der Brustdrüse, der Brustwarze und des Warzenhofes. Gegenüber der klassischen modifiziert radikalen Mastektomie bleiben jedoch die untere Brustfalte und die Haut über dem Drüsenkörper weitgehend erhalten, um den sofortigen Wiederaufbau durchführen zu können. Die Sensibilität der Brust bleibt dadurch teilweise erhalten. Der sofortige Wiederaufbau der Brust erfolgt durch Einlage eines Expanders oder einer Prothese unter den großen Brustmuskel.

Plastisch-rekonstruktive Operationsverfahren zum Wiederaufbau der Brust

Falls aus onkologischen Gründen eine modifiziert radikale Mastektomie, eine hautsparende Mastektomie oder die Entfernung von großen Anteilen der Brust erfolgen musste, wird mit der Patientin die Möglichkeit eines Wiederaufbaus der Brust bis hin zum Wiederaufbau der Brustwarze und der Tätowierung des Warzenhofes besprochen. Dieser Prozess beinhaltet also in jedem Fall mehrere Schritte und kann als Sofort- oder Intervallrekonstruktion durchgeführt werden. Der Krankheitsverlauf wird dadurch nicht beeinflusst. Dabei gibt es verschiedene Verfahren, mit denen die Brust wieder aufgebaut werden kann, zum Beispiel:

  • mit einem Implantat
  • mit einem Implantat gemeinsam mit körpereigenem Gewebe
  • oder ausschließlich mit körpereignem Gewebe, das vom Rücken (Latissimus dorsi-Muskellappen) oder vom Bauch (transverser Musculus rectus abdominis - Lappen) gewonnen werden kann.

Bei der Sofortrekonstruktion erfolgt der Wiederaufbau gleichzeitig mit der Entfernung der erkrankten Brust, also in der gleichen Narkose.

Bei der Intervallrekonstruktion erfolgt der Wiederaufbau nach Abschluss der adjuvanten Therapie (die adjuvante Therapie meint in erster Linie die abgeschlossene Chemotherapie und Bestrahlung). Falls im Rahmen der adjuvanten Therapie eine Bestrahlung der Brustwand durchgeführt werden musste, sollten 6 - 8 Monate nach Beendigung der Bestrahlung abgewartet werden.

Für viele Patientinnen ist es bei der Planung der primären Therapie aus psychischen Gründen zunächst nicht möglich, eine Entscheidung zur Sofortrekonstruktion zu treffen. Dann kann es besser sein, den Wiederaufbau später zu machen (Intervallrekonstruktion). In der Zwischenzeit können sich die Patientinnen ausführlich über die in Frage kommenden Operationsverfahren informieren.

Verfahren

  • Implantateinlage
  • LADO = Latissimus-dorsi-Muskellappen
  • TRAM = transverser Musculus rectus abdominis-Lappen

Implantateinlage / Expandereinlage

Die Rekonstruktion der Brust kann durch Einlage von Implantaten unter den Brustmuskel erfolgen. Diese Implantate (Expander) werden in den Wochen nach der Operation über ein unter der Haut platziertes Ventil mit Kochsalzlösung aufgefüllt, bis sie die Größe der gegenseitigen Brust erreicht haben. Zum Abschluss der Behandlung kann es notwendig sein, den Expander durch eine endgültige Prothese auszutauschen oder das Ventil zu entfernen. In einigen Fällen ist auch eine Anpassung der gesunden Brust an die neue Form der operierten Brust erforderlich.

Latissimus dorsi-Hautmuskel-Lappen

Der Wiederaufbau einer Brust durch den Musculus latissimus dorsi des Rückens eignet sich sehr gut:

  • zum Volumenersatz nach Entfernung von großen Teilen der Brust
  • zum Wiederaufbau der kleinen und mittelgroßen Brust
  • zum Wiederaufbau in Verbindung mit Implantaten oder Expandern
  • zum Gewebeersatz nach Rezidiven an der Brustwand

Der Latissimus-Muskel ist ein großer, dreieckiger, fächerförmig über dem Rücken ausgebreiteter Muskel. In Vollnarkose wird dieser Muskel gegebenenfalls mitsamt einer Hautinsel ausgeschnitten und durch einen Tunnel nach vorn in den Brustbereich verlagert. Die Hautinsel wird dort mit den benachbarten Wundrändern vernäht. Eventuell wird ein Implantat unter den Muskel eingelegt, um so auch größere Brüste wieder aufbauen zu können.

TRAM = transverser Musculus rectus abdominis-Lappen

Dieser Haut-Muskel-Lappen stellt für die wiederherstellende Brustchirurgie eine wesentliche Bereicherung dar. Unterhalb des Bauchnabels findet sich häufig reichlich Gewebe, das zum Wiederaufbau der Brust allein aus körpereigenem Gewebe verwendet werden kann.
In Vollnarkose werden eine spindelförmige, quer verlaufende Gewebsinsel aus Haut, Fettgewebe und Muskel entnommen und in den Brustbereich eingepflanzt. Zum Verschluss der Bauchwunde wird die Bauchdecke gestrafft und der Nabel neu eingenäht. Eine Prothese oder Expander ist in der Regel nicht erforderlich.

Entfernung des Wächterlymphknotens (Sentinel-Lymphknotenbiopsie)

Für den Verlauf der Erkrankung ist es wichtig zu wissen, ob bereits Krebszellen ins Lymphsystem eingedrungen sind. In der Regel werden deshalb während der Operation auch zahlreiche Lymphknoten aus der Achselhöhle entfernt. Um die Entnahme von unnötig vielen Lymphknoten zu vermeiden, hat man die Methode der Entnahme des Wächterlymphknotens (Sentinel-Lymphknoten) entwickelt. Finden sich bei der feingeweblichen Untersuchung in diesem Wächterlymphknoten keine Tumorzellen, kann man auf die Entnahme der übrigen Lymphknoten verzichten. Das muss aber im Einzelfall abgeklärt und entschieden werden. Durch dieses Verfahren wird die Operation komplikationsärmer und die Frauen leiden seltener an Nebenwirkungen.

Der Hintergrund
Jeder bösartige Brusttumor wird primär zunächst von nur einem oder zwei sog. Wächter-Lymphknoten drainiert. Untersuchungen haben ergeben, dass der mikroskopische Befund dieses Wächter-Lymphknotens zu ca. 96 % mit dem Befund der restlichen axillären Lymphknoten übereinstimmt, wenn das Mammakarzinom nicht größer als 2,5 bis 3,0 cm ist. Daraus resultiert, dass man bei geeigneten Patientinnen auf eine vollständige Lymphknotenentfernung in der Achselhöhle verzichten kann, wenn der vorher entnommene Wächter-Lymphknoten unter dem Mikroskop unauffällig ist. Dadurch könnten die Komplikationen der vollständigen Lymphknotenentfernung (Taubheitsgefühl, Schmerzen, dicker Arm, Entzündungen) erheblich reduziert werden.

Ablauf der Untersuchung
Am Vortag der Operation erfolgt das Einspritzen von geringen Mengen Technetium um den Tumor herum (nicht in den Tumor!). Das Technetium wird über die Lymphbahnen in den Wächter-Lymphknoten transportiert und reichert sich dort an. Nach Aufsuchen des Wächter-Lymphknotens mit einer Gammasonde wird dieser entfernt und speziell mikroskopisch aufgearbeitet. Falls sich die weitgehende Übereinstimmung der Histologie von Wächter-Lymphknoten und übrigen Lymphknoten der Achselhöhle bestätigen sollte, kann in bestimmten Fällen auf die Entfernung der Achsellymphknoten verzichtet werden.